Kira - James - Der Schrei nach Macht23.07.2007
Er saß im Theaterraum. Trännen rannen an seinen Wangen herunter. Er hatte den Kopf in
seine Hände gebettet und die Schultern weit nach vorn.
Im Theaterraum. Ja. Hier saß James immer, wenn er einfach nur allein sein wollte.
Eigentlich sollte er in der Klasse sitzen. Zwischen all den anderen, die ihn immer
so sehr quälten. Die ihm während des Unterrichts Zettel schrieben, mit alerlei Beleidigungen. Die ihn mit Paierkugeln bewarfen. Die seine Sachen versteckten. Die in der Pause hinter ihm herliefen, um ihn zu hänseln, zu treten, zu schlagen. Um einfach nur gemein zu sein. Ja, die Pausen waren
immer besonders schlimm. Meistens versteckte James sich. Mal im Theaterraum, in der
Bibliothek, oder im Keller. Irgendwo, wo man ihn nicht finden würde. Wo er ganz allein sein
konnte. Allein mit seinen Gedanken. Seinen Tränen. Seinem Schmerz.
Noch vor 5 Minuten, hatte er im Klassenraum gesessen. Auf seinem Platz in der zweiten Reihe.
Wie immer, ärgerten ihn die anderen Schüler. Sie beleidigten ihn. Nein. Sie beleidigten ihn nicht. Sie machten ihn fertig. Es war jene Art von seelischem Druck, dem kein Mensch auf Dauer gewachsen war.
Natürlich. Die Lehrer sollten das merken. Sie mussten wissen, was die anderen
mit James machten. Sie sollten etwas dagegen tun. Doch nichts geschah. James musste
mit seinem Problem selber fertig werden. Wenn er es nicht mehr aushielt, hob er oft die Hand.
Dann sagte er, ihm wäre schlecht, oder er müsse zur Toilette. Dann ging er
meistens zu seinen Lieblingsort. In den Theaterraum. Genau wie heute auch.
Nun saß James da. Leise schluchzend. Er dachte nach. Dachte an sein Zuhause.
Er hatte nette Eltern. Sie würden ihm helfen, wenn er es ihnen erzählen würde. Doch
er traute sich nicht. Was wäre, wenn sie ihn auslachen würden? Was wäre, wenn
es nicht aufhöhren würde? Wenn es sogar noch schlimmer werden würde?
James wusste nicht, was er tun sollte. Er wusste es einfach nicht. Tränen der
Verzweiflung rannen aus seinen Augen.
Langsam musste James wieder in den Klassenraum. Es würde auffallen, wenn er solange
wegbleiben würde. Das wusste er.
Er stand auf. Wischte sich die Tränen aus den Augen. Atmete tief ein.
Und ging zurück in seinen Klassenraum. Noch eine Schulstunde, dann war Wochenende.
James würde es durchhalten. Er zwang sich immer wieder dazu, nicht aufzugeben.
Es klingelte. Wochenende. James atmete auf. Er packte seine Sachen. Schnell. Er musste
sich beeilen. Er wollte nicht, dass er auf dem Heimweg geärgert werden würde.
Er betrat den Schulhof. Wendete sich nach links. Ging. Zügig.
Er rannte schon fast, das merkte James. Er ging auf den Wald zu. Hier ging
er meistens lang. Es war zwar ein Umweg, aber hier gingen nur seten andere
Schüler lang. Hier brauchte er keine Angst haben, verfolgt zu werden.
Hinter ihm wurden Schritte laut. James drehte sich um. Hinter ihm liefen 3 Jungs.
Sie waren in seiner Klasse. Auch sie machten ihn fertig. Dauernd. Genau genommen
waren die drei sogar die schlimmstern von allen. James hatte Angst vor ihnen.
Er drehte sich um. Und lief. Es war ihm egal, was die Jungs von ihm dachten.
Sollten sie ruhig wissen, dass James ein Angsthase war.
Es stimmte. James hatte angst. Große Angst sogar.
Er lief. Lief immer weiter. Immer weiter in den Wald hinein. James wusste, dass er in
die falsche Richtung lief. Doch es war ihm egal.
Er wollte einfach nur weg. So weit weg wie möglich.
Er schaute sich nicht um.
Plötzlich stolperte er. Fiel. Wollte aufstehen. Doch er konnte nicht. Er war völlig fertig.
Keinen Meter konnte er mehr laufen. Er stand auf. Langsam. Schaute zurück. Keine Spur
von den anderen. Er lauschte, hörte aber nichts.
Wohin sollte er jetzt gehen? Zurück? Nein. So würde er den anderes in die Arme laufen.
Er war noch nie in diesem Teil des Waldes gewesen. Er könnte einfach weitergehen,
und den Rest des Waldes erkunden. James hatte sowieso noch genug, worüber er nachdenken konnte. Also ging er. Er malte sich aus, wie es sein könnte, würde er seinen Eltern von den Vorkommnissen erzählen. Er glaubte nicht daran, dass die anderen mit einem mal aufhöhren würden, ihn zu ärgern. Er würde selbst mit seinen Problemen fertig werden müssen. Es war einfach ausweglos. Sein gesamtes Leben war er vor jedem Problem davongelaufen. Und so würde es bleiben! Er hatte einfach nicht den Mut dazu, etwas zu ändern. Er war feige. Er schrie:
"Verdammt ich kann nicht!"
In Gedanken verfluchte er sich, so laut in den Wald geschrien zu haben. Was,
wenn die anderen jetzt auf ihn aufmerksam geworden waren? Er blieb stehen.
Lauschte. War da nicht was? Eine Art rascheln und schlurfen? Schritte?
Er nahm sein letztes bisschen Kraft und lief. Bereits nach de ersten paar
Schritten blieb er wieder stehen. Er konnte einfach nicht mehr.
Ja. So war er nun einmal. Schwach und feige.
Doch was war das da vor ihm? Ein Gebäude? Er ging näher heran. Tatsächlich! Es war ein Haus.
Hier, mitten im Wald. Es sah verlassen aus. Doch das war ihm egal.
Es war das perfekte Versteck. Die Tür stand offen. Er ging hinein. Viel zu sehen gab es
alerdings nicht. genaugenommen sah er garnichts....Dunkel, das sah er.
Es gab wirklich nicht die Spur von Licht in diesem Raum. Man sah die Hand vor Augen nicht.
Die anderen würden niemals damit rechnen, das James sich hier versteckte.
Er ging weiter. Langsam und vorsichtig.Plötzlich stieß sein Fuß gegen irgendetwas.
Er tastete weiter. War das eine Treppe? Tatsächlich! Eine nach oben führende Treppe.
Das war seine Chance. Da oben würde er von niemaden entdeckt werden. Er ging hinauf.
Immer abtastent, ob die Stufen sein Gewicht auch ja tragen würden. Er hatte
Glück. Die Treppen knartschten zwar ziemlich laut, gaben aber nicht nach. Auch das Geländer
war unbeschädigt, sodass er unbeheligt nach oben gelangte.
Eigentlich sah dieser Raum genauso aus, wie der, aus dem er kam ... schwarz.
Doch. Einen Unterschied gab es. Er konnte nicht genau beschreiben, was es war ... es war
eine namenlose kälte. Ein ziehen ... als würde etwas aus James hinausgesaugt werden.
Einbildung?
Er lauschte in sich hinein. Es war ... als würde all seine Kraft ... seine Stärke ... sein Willen aus ihm hinausgesaugt werden. Angst überkam ihn. Etwas stimmte nicht mit diesem Raum ... Irgendetwas stimmte nicht mit diesem Haus ... Mit diesem Ort!
Mit einem Mal, wusst er, was er fühlte. er fühlte pure Bosheit. Bosheit in seiner reinsten
Form. Allein der Gedanke, dass soviel Bosheit existieren konnte, trieb James fast in den
Wahnsinn.
Plötzlich veränderte sich etwas ... da war ein zischen. Ein leises aber stetiges zischen.
James wollte weg von hier. Weg und nie wieder herkommen. Er drehte sich um. Suchte
nach der Treppe ... Sie war nicht da!!! Er hätte schwören können, dass vorhin noch genau
hinter ihm die Treppe war! Er ging nach links ... auch hier keine Treppe ... nach rechts ... Nein ...kein Geländer ... keine Stufen.
Er geriet in Panik. Immer und immer wieder suchte er die Treppe. Sie konnte nicht
Weg sein! Sie konnte einfach nicht!!
Plötzlich wurde es hell im Raum...Nicht wirklich Hell...aber da war ein Schimmern ... ein blaues Schimmern ... und es war ... direkt hinter ihm!
Panisch drehte er sich um. Im nächsten Moment schon wünschte er sich, es nicht
getan zu haben.
Es war so unglaublich, dass er wie erastarrt da stand. Den Mund offen und die Augen weit
offen.
Vor ihm...nicht mehr als 3 meter entfernt ...
Eigenltlich war es nicht mehr als ein Schemen. James konnte nicht sagen, was für ein Wesen sich da vor ihm befand. Wenn man ganz genau hinsah, erkannte man den Ansatz eines Kopfes. Gliedmaßen jedoch konnte man beim besten Willen nicht ausmachen. Das Wesen leuchtete in einem kalten blau.
War es der Tod?!
Das Wesen schaute James an. Er fühlte, wie die kalten Augen des Schemens auf ihm ruhten.
Doch damit nicht genug...
An der rechten und linken Seite tauchten rote Punkte auf...sie wurden größer ... größer .... bis sie sich schließlich nicht mehr veränderten.
Was James jetzt sah. Schnürrte ihm schier die Luft ab.
Es waren zwei Jungs aus seiner Klasse ... zwei von denen, die ihn im Wald verfolgt hatten.
Doch sie hatten sich verändert ... auch sie waren Schemen ... rote Schemen.
Man erkannte zwar, dass sie einmal Menschen gewesen waren ...a ber all das änderte nichts
an der Tatsache, dass sie nicht länger Menschen waren. Ja. Vielleicht lebten sie nicht einmal mehr....
Plötzlich setzte ein neues Geräusch ein ... es war ein ... singen. Ein leises wohlklingendes
singen.
James schaute sich um. Wer machte diese Töne? Zweifellos ... es waren die drei Schemen vor ihm.
Er wollte weghöhren....doch es gelang ihm nicht....irgendetwas an diesen Tönen zwang ihn
dazu, genau zu lauschen ... schon bald erkannte er Wörter:
"Nicht länger allein sein wirst du müssen.
Wir werden dich für andere Kämpfe rüsten.
Nicht länger quälen sollst du dich.
Denn dies hat keinen Nutzen für mich.
Werde Teil unserer Gruppe.
Und handel nicht länger wie eine leblose Puppe.
Mit uns zusammen wirst du alles erreichen.
Und nicht länger hilflos und ängstlich sein!
Komm schlaf einfach ein.
Es geschieht von allein.
Komm schlaf einfach ein ....
Es geschieht von allein ...."
Und mit diesen Worten ... wurde es schwarz um ihn ...
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