Kira - Lohnt es sich zu leben, wenn man allein ist?23.07.2007
Cedrick, ein Junge von 16 Jahren, hatte schon immer allerhand Probleme. Er war erst 7, als sich seine Eltern trennten. Dies war eine besonders schlimme Zeit, an die er sich leider noch zu gut erinnerte. Er hatte sich immer vorgeworfen, dass sie sich nur seinetwegen getrennt hatten, obwohl seine Mutter dies immer bestritten hatte. Nach der Trennung seiner Eltern, lebte er bei seiner Mutter. Sie war eine nette Frau. Immer für ihren Sohn da, hörte immer zu, und war für jeden Spaß zu haben. Eben eine Mutter, wie sie sich jeder wünschen würde. Leider erkannte Cedrick dies zu spät.
Weniger als ein Jahr ist es her, als Cedricks Mutter bei einem schweren Verkehrsunfall gestorben war. Cedrick hatte dies nie verkraftet. Sein Vater meldete sich nicht. Verwandte hatte Cedrick auch keine.
Seit dem Tod seiner Mutter lebte Cedrick also in einem Internat. Er kam mit den anderen Kindern nie klar. Sie waren hochnäsig, fand Cedrick. Waren nur auf gute Noten aus, und im Grunde, dass wusste Cedrick, war ihnen alles andere egal. Sie alle hatten reiche Eltern, die immer allerlei Pakete schickten. Cedrick aber, bekam nie Post. Die meisten der Internatskinder wurden über die Ferien von ihren Eltern abgeholt, um mit ihnen zu verreisen. Cedrick war nie verreist.
Es war ihm egal! Jedenfalls redete er sich das ein ....
Die Lehrer versuchten nur, den Stoff durchzukriegen, ohne auf die Kinder selbst zu achten. Auch mit den Noten wollte es nicht so richtig klappen. Er hatte große Mühe, nicht sitzen zu bleiben. Natürlich geht das an einem Menschen nicht einfach so vorbei ... Cedrick versuchte immer so gut es ging seine Gefühle zu verbergen. Hielt er es garnicht mehr aus, so rannte er während des Unterrichts aus dem Klassenzimmer. 2 Etagen nach oben. Zur Jungentoilette. Er ging in eine Kabine, schloß ab, und tat nichts. Einfach stehen. Den Tränen freien lauf lassen.
Ein Jahr hielt er dies nun schon aus. Sobald er 18 sein würde, würde er dass Internat verlassen können, das wusste er. Doch dazu sollte es nie kommen ...
Es war der letzte Tag vor offiziellem Weinachtsferienbeginn. Eine Weinachtsfeier fand statt, zu der auch die Eltern herzlich eingeladen waren. Alle kamen ... jedes Kind stand bei seinen Eltern.
Sie lachten. Sie redeten vergnügt. Sie umarmten sich.
Cedrick aber stand allein.
Ganz allein in einer Ecke des Raumes. Eine weitere Familie betrat den Saal. Ein rotschöpfiger Junge mit seinen Eltern. Sie sahen sehr edel und reich aus. Sie gingen an Cedrick vorbei. Sie schauten ihn an. Kalt. Herzlos. In ihren Blicken war kein Mitleid. Es war eher purer Spott. Als wollten sie sagen: "Was will der denn hier?“
Hat keine Eltern ... keine Villa ... der gehört hier doch nicht hin." Cedrick hielt es nicht mehr aus. Er wusste es.
Die Familie ging weiter. Gesellte sich zu den anderen. Cedrick stand immer noch in seiner Ecke. Seine Augen brannten. Sein Herz schmerzte.
Er fragte sich: "Wie soll denn das weitergehn?" Er konnte nicht mehr. Nicht länger seine Tränen verbergen. Seine Gefühle. Seinen Schmerz.
Rechts von ihm war der Ausgang. Er hatte nicht vor, auf die Toilette zu gehn, um seine Tränen zu verbergen. Nein. Was er vorhatte war etwas ganz anderes. Er ging rückwärts. Die Augen glasig. Tränen liefen über sein Gesicht. Er schaute die Familien an. Sein Blick blieb star. Er stieß mit dem Rücken gegen die Ausgangstür. Drehte sich langsam um. Schluchzte leise. Drückte die Klinke herunter.
Er hielt es nicht mehr aus. Wollte laufen. Laufen. Egal wohin.
Er trat hinaus. Schloss die Tür hinter sich, ohne nochmal in den Saal zu sehen. Cedrick stand da. Eine Sekunde. Zwei Sekunden. Es war kalt. Er fror nicht. Er ging die Treppe hinunter....nur bis zur dritten Stufe. Jetzt lief er. Nahm die restlichen Stufen mit einem Satz und lief davon. Er wusste, dass das Tor offen sein würde. Schließlich wussten sie nicht, welche Eltern noch kommen würden. Er erreichte das Tor. Tatsächlich. Es war offen. Er rannte hindurch. Nach links. In Richtung der Stadt. Am Fuß einer großen Brücke blieb er stehen. Es war
wirklich eine große Brücke. Von unten hörte er das tosen vieler Autos. Er ging auf die
Brücke. Langsam. Bis in die Mitte ging er. Er stellte sich an den Rand. Und schaute nach
unten. Er weinte immer noch. Einige Tropfen fielen hinunter. Hinunter auf die Straße.
Cedrick fragte sich, warum ausgerechnet er soviel Leid hatte ertragen müssen. Warum waren
alle glücklich und er, Cedrick, empfand nur trauer. Er verstand es nicht. War sauer
und traurig. Er wusste, wie er sein Leid beenden konnte. Tief in seinem inneren wusste er
schon lange, dass es es nicht mehr aushielt. Er dachte an seine Mutter. An seine
Kindheit. An den Tag, an dem er mit seinen Eltern auf der Neujahrskirmes war. Wie er mit
seinen Eltern gelacht hatte. Wie glücklich er war. Jetzt empfand er nichts als trauer.
Er stieg auf den Brückenrand. Langsam. Richtete sich auf. Dachte noch ein letztes mal an
seine Mutter. Eine letzte Träne fiel. Er sah ihr zu.
Und ... sprang.
0 Kommentare
|