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kooperative Geschichten

Aufbruch - Verzweifelt

31.08.2007

"Scheiße!" Die Tür des Badezimmers flog zu.Unentschlossen was zu tun sein sollte, ging sie in ihr Zimmer. Verzweifelt legte sie sich auf das Bett und versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Sie starrte an ihre orangefarbenen Tapeten. Den Tränen nahe. 2½ Jahre war sie nun mit Andi zusammen.Und jetzt ? Schwanger. Sie überlegte was sie nun tun sollte. Hier rumsitzen ? Nein,das wäre sinnlos. Sie machte Musik an, versuchte sich zu entspannen. In 2 Stunden wollte sie sich wieder mit Andi treffen.
Wie würde er reagieren ? Sollte sie es ihm überhaupt sagen ? Andi wäre wahrscheinlich nicht sehr erfreut. Vielleicht würde er sie sogar verlassen.Der Witz damals. Sie hatte aus Spaß vorgeschlagen wie sie ihr gemeinsames Kind später nennen sollten. Damals ,als sie höchstens einmal im Traum daran gedachte hatte ,jemals einmal ein Kind mit Andi zu haben. Damals hatte Andi nur ent- geistert geguckt. Hatte er da nur Spaß gemacht oder war es ernst gewesen ? Wenn ja ,hatte er seine Meinung zu einem Kind geändert ? Zwei Stunden hatte sie noch Zeit. Sollte sie ihre Eltern um Hilfe bitten ? Nein ,sie hatte schon genug Streit mit ihnen.Der Grund des Streits war auch noch Andi. Sie hielten ihn für einen rücksichtslosen Säufer, der keine Ahnung von Frauen hätte. Nein ,so war er nicht. Mal ein Bier hier oder da,aber ein Säufer ? Nein. Sie liebte ihn. Ihre Eltern würden ihr wahrscheinlich zur Abtreibung raten. Ja, Abtreibung. Das wäre auch eine Möglichkeit. Dann bräuchte Andi gar nicht erst zu erfahren ,dass sie schwanger war und es gäbe überhaupt kein Problem mehr. Immerhin stand fest, dass das Kind von ihm sein würde. Aber würde er das glauben ? Egal. Nein ,eigentlich nicht. Naja. Aber sie wusste ,dass sie beide sich nach einer Abtreibung schuldig gefühlt hätten und im Endeffekt würde das das Ende bedeuten.Würde es aber zur Geburt kommen, könnte das Geld knapp werden. Schließlich war sie noch minderjährig. Sie 17, er 19, gerade im Abiturstress. Für Arbeit und Geldverdienen keine Zeit. Zwar konnten sie die gemeinsame Wohnung bezahlen, aber wie lange noch? Wenn das Kind da wäre, würde sich alles ändern. Beide könnten nicht mal zwischendurch einfach so einen Job annehmen. Sozialhilfe wäre eine Möglichkeit. Toll. Das würde Andi nicht wollen. Wer will das schon ? Nein, so weit runter wollte sie nicht kommen. Sie könnte die Entscheidung auch herauszögern. Dann hätte sie mehr Zeit zu überlegen. Nein, das würde auch nichts nützen. Sie würde so oder so höchstens unsicherer werden.
Noch 1 Stunde. Sie ging zum Spiegel, machte sich zurecht und wurde zunehmend ungeduldiger. Sie wusste nicht ,was sie in der Zeit noch machen sollte. Sie setzte sich an den PC und versuchte sich mit chatten abzulenken, aber immer wieder schweiften ihre Gedanken ab zu Andi.
Sollte sie es ihm sagen ? Was wenn er sie wirklich verlassen würde ? Dann müsste sie gezwungener Maßen abtreiben lassen. Doch dann hätte sie weder Andi noch das Kind.Sie wäre ganz alleine. Aber wenn er sich freuen würde und einverstanden wäre, wie schön wäre die Vorstellung doch. Schöner als alles andere. Es kam ihr so vor,als ob sie sich zwischen ihrem Baby und Andi entscheiden müsste. Aber ganz so schlimm war es ja nicht. Oder doch ? In den letzten Tagen hatte sie sich öfters mit Andi gestritten.
Seufzend strich sie ihre Haare zur Seite, atmete tief ein und schloss die Augen. Dann schaltete sie den PC wieder aus und machte sich auf dem Weg. Mit klopfendem Herzen ging sie zur Tür, stieg langsam die Eingangstreppe runter. Sie musste eine Entscheidung treffen. Jetzt gleich. Sie ging los. Menschen hetzten an ihr vorbei. Der Park ,der sonst nur positive Erlebnisse in Erinnerung rief ,kam ihr fremd vor. Sie ging weiter zu dem Café, setzte sich an einen Tisch. Plötzlich war ihr Kopf ganz leer. Sie kam sich vor wie in einem fremden Traum.Vollkommen ruhig. Der Zeitpunkt war gekommen. Sie hatte eine Entscheidung getroffen. Dann kam er. Andi. Ihr Andi.

Carlie
Ich finde den Schreibstil sehr gut! Auch die Geschichte ist nicht schlecht! :)