Linda - *Angreifer*30.09.2007
Der kalte Wind fegte über die feuchten Wiesen, verlor sich im Dickicht und wirbelte Laub auf der sich in meinen Haaren verfing. Ich schlang meine Regenjacke fester um mich.
„Verdammte Uniform!“, dachte ich und kauerte mich fröstelnd tiefer ins Gebüsch. Ich hatte meinen Wachposten nun seit einer Stunde nicht verlassen, auch meine kauernde Sitzhaltung hatte sich nicht geändert. Das dankten mir meine Füße mit unangenehmen kribbeln und zeitweilendem Taubheitsgefühl. Ich spürte wie sich der Wind nach und nach legte und es still wurde. Unheimlich still. Jedes Rascheln und jedes Knacken eines Astes konnte ich vernehmen und verhinderte nicht gerade, dass sich eine Gänsehaut über meinen Rücken zog.
„Alice, hier ist niemand! Kein Monster oder sonst irgend ein Vieh! Beruhige dich!“
Ich ermahnte mich im Stillen und starrte weiterhin angespannt auf die Waldlichtung die sich vor mir erstreckte. Über der Lichtung wabberte leichter Nebel, der machte das ganze Unterfangen nicht gerade leichter. Wie sollte ich da bloß eine Person erkennen, noch dazu was sie bei sich trug? Es war fast aussichtslos, doch Befehl war Befehl und musste ausgeführt werden. Ich dachte gerade an meine Wohnung und meinen schönen warmen Kamin, vor dem jetzt sicherlich mein fauler Kater lag, als ich spürte wie sich jemand oder etwas näherte. Mein siebter Sinn schrillte alarmierend und ich spürte den Drang in mir aufzuspringen und davon zu laufen, soweit mich meine Beine trugen. Ich unterdrückte jedoch diesen Wunsch und konzentrierte mich auf Geräusche. Mein Hörsinn war der einzige auf den ich mich in dieser ekeligen Nacht verlassen konnte. Ich lauschte also angestrengt und vernahm das immer näherkommende Rascheln. War es ein Umhang? Ich versuchte gerade dieses Geräusch zu analysieren, als ich einen Luftzug in meinem Nacken spürte. Ich wollte instinktiv aufspringen, doch eiskalte Hände die sich von hinten um meine Kehle legten, hinderten mich daran. Warmer Atem, der etwas nach Alkohol roch, legte sich um mein Ohr und mein Angreifer zischte:
„Alice, es war falsch das du hergekommen bist. Deine Neugier hat dich um deine Aufmerksamkeit gebracht. Nun schlafe gut.“
Mit diesen Worten presste er mir ein feuchtes Tuch auf den Mund und die Nase. Mich überfiel dieses bekannte Gefühl von Müdigkeit und ich fühlte noch wie meine Beine nachgaben bevor ich mein Bewusstsein verlor.
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