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kooperative Geschichten

Mauser - Bis der Tod uns scheidet

06.10.2007

!!! diese geschichte ist frei erfunden !!!
Ich war nach langem mal wieder mit meinen Freunden unterwegs. Es war spät und wir waren gerade auf dem Weg von einem in einen anderen Club. R. und D. hatten schon etwas mehr getrunken. Sie torkelten vor uns her und lallten laut durch die Gegend. V. und ich hatten noch nicht viel getrunken, konnten noch normal gehen und sprechen. Wir betraten eine Bar, die sehr voll war und dort lief laute Musik. Ich hielt mir anfangs die Ohren zu. Als R. und ich uns unterhalten wollten, was ja mit D. kaum noch möglich war, mussten wir schreien. Später verzogen wir vier uns dann in eine hintere Ecke, wo es etwas leiser war. Wir setzten uns auf das Sofa, wobei R. fast wieder runter gefallen wäre. Dann nuschelte D., dass er in ein Striplokal gehen wollte. V. war dagegen, was mich etwas wunderte. "Ne, lass mal," meinte er. "sowas brauch ich nich... ich hab hier schon genug zu gucken..." Das hatte ich irgendwie nicht kapiert. Ich sah ihn fragend an und er grinste nur.



Er rückte etwas näher an mich ran und legte den Arm um meine Schultern. "Na, du bist heute so ruhig. Was is los?" "Nix ist los," antwortete ich. "ich bin nur müde." "Dann solltest du morgens länger schlafen." Dann kam er ganz nah und sprach mir ins Ohr: "Lass uns an die Theke gehen un die zwei vollen hier allein lassen." Ich rückte ein bisschen weg. "Ich... geh mal auf die Toilette..." Ich stand auf und ging. Irgendwie war V. merkwürdig, oder ich hatte Halluzinationen. Als ich aus der Kabine kam, stand er plötzlich da. Ich erschrak sehr. V. musste grinsen. "Hey, du musst doch keinen Herzinfarkt bekommen! Sorry, wenn ich dich erschreckt hab." "Ist... schon ok..." Ich ging zum Waschbecken um mir die Hände zu waschen. Da stellte er sich ganz nah neben mich und flüsterte fast: "Was hältst du davon, wenn wir beide mal allein weggehen." "Und... warum sollten R. und D. nicht mitkommen?" "Die trinken zu viel." "Naja... mal sehen..." Ich war verwirrt. Wir verließen das Bad.



Nach einer Weile beschlossen wir, nach Hause zu fahren. Wir gingen - obwohl man es bei D. und R. nicht mehr gehen nennen konnte - zu meinem Auto. R. und D. saßen hinten, V. vorne auf dem Beifahrersitz. Ich fuhr los. Es war schon nach Mitternacht und der Vollmond leuchtete am Himmel. Ich konzentrierte mich nur auf die Straße, spürte aber trotzdem, dass V. mich öfter von der Seite ansah. Die anderen beiden waren auf der Rückbank eingeschlafen. "Guck dir mal die Schlafmützen da hinten an", flüsterte V. mir lächelnd zu. "Ja... die hatten wohl zu viel..." "Sehen aus wie Kleinkinder. höhö." "Mhm..." Ich hatte aus irgendeinem Grund keine Lust mit ihm zu reden. Ich wollte einfach nur heim fahren.



Wir hatten R. und D. nach Hause gebracht. Jetzt musste ich nur noch V. ab liefern und dann wollte ich nur noch schlafen. Aber V. musste ja unbedingt wieder reden. "Sag mal, wie findest du den Vollmond?" "Hm... ich hab kein Problem mit ihm... wieso?" "Ich mag Vollmond. Hat was... romantisches." "Ahja..." "Ausser, man wird zum Werwolf." "Ich sah ihn skeptisch an. Dann fing er an zu lachen. "Das war doch nich ernst gemeint!" "Aha..." V. hörte auf zu lachen und war still. Dann sah ich in der Ferne einen Stau. "Fuck! Muss das jetzt sein?!" "Na toll..." "Das kann ich jetzt echt gebrauchen... verdammt!" Ich hielt an und die Autoschlange vor uns erschien mir unendlich lang. Ich entfernte den Gurt und V. tat dies ebenfalls. Erst schaute er aus dem Fenster, dann auf mich. Ich erwiderte seinen Blick ganz kurz und schaute wieder nach vorne. Ich war mir sicher, dass wir hier noch zwei Jahre stehen würden. Auf einmal beugte sich V. zu mir rüber. Ich blickte ihn an. Dann kam er näher und sah mir tief in die Augen. Ich lehnte mich etwas zurück und guckte ihn fragend an. "Deine Augen gefallen mir." sagte er. "Äh... danke?" Er lächelte. "Ja... dann kannst du dich ja wieder richtig hinsetzen." V. setzte einen verwunderten Blick auf und lehnte sich zurück in seinen Sitz. Endlich bewegten sich die Autos vorwärts. Wir schnallten uns an und ich startete den Motor. Endlich weiterfahren.



Nach längerer Zeit fing V. wieder ein Gespräch an, er klang irgendwie beleidigt. "Sag mal, warum warst du vorhin so... abweisend?" "Naja, ich war verwirrt, über dein Verhalten." "Was war an meinem Verhalten denn so verwirrend?" "Na... alles eben." "Aha..." Wir waren angekommen und ich hielt an. "So, da wären wir." "A., was hältst du davon, noch kurz mit rein zu kommen?" "Nein, danke. Ich bin saumüde und will nur noch heim." "Sicher? Komm, du musst ja nicht lange bleiben. Ich dachte kurz nach und entschied mich dann doch, V. noch mit rein zu begleiten.

Ich sollte später noch erfahren, dass dies ein fataler Fehler war...



Ich begleitete V. also noch in seine Wohnung. Er bot mir einen Platz auf der Couch an. "Setz dich." Ich ließ mich auf das Sofa fallen. "Willst du was trinken?" "Naja, wir kommen gerade aus einer Kneipe..." "Stimmt, dumme Frage." Er kam ins Wohnzimmer und setzte sich neben mich. "Ich will mit dir über etwas reden." "Worüber denn?" "Über uns." Ich sah ihn fragend an. "Was ist denn mit uns?" Er dachte kurz nach, bevor er weitersprach. "Also, vorhin im Auto... Ich wollte dich nicht erschrecken, aber..." "Aber was?" Jetzt blickte er mir tief in die Augen. "Tja... ich..." "Du...?" "Ich... liebe dich." Mir blieb fast das Herz stehen. "Du... Aber..." Er wandte sich von mir ab. "Ja, so ist es. Ich kann es nicht ändern." "Darf ich mal die Toilette benutzen?" fragte ich, um vom Thema abzulenken. "Ja, klar." Ich stand auf und verschwand in sein Bad. Ich drehte den Wasserhahn auf um mir das Gesicht zu waschen. "Warum hat er sich in mich verliebt? Ich hätte nie gedacht, dass es so weit kommt..." dachte ich. Ich kam aus dem Badezimmer und da stand V. im Flur. "Hast du drüber nachgedacht?" Ich brauchte eine Weile, um zu verstehen, was er meinte. "Oh... das. Naja, ich denke, dass man Gefühle eben nicht ändern kann..." "Ich meinte, was jetzt aus Uns wird." "Was aus uns wird... V., du weisst, dass ich dich gern hab. Aber wir sind Freunde. Und nicht mehr." "Freunde..." Er stellte sich ganz dicht vor mich, so dass ich mich an die Wand drücken musste. "Aber das reicht mir nicht." Er fuhr mit der Hand durch mein Haar. Ich schob ihn leicht von mir weg. "Es tut mir Leid, aber ich empfinde für dich nur freundschaftliche Liebe. Ich will jetzt heim." Ich ging auf die Haustür zu, doch er stellte sich davor. "Aber A. ..." "Nein, es tut mir wirklich Leid, aber ich will jetzt nach Hause." V. steckte den Haustürschlüssel ins Schlüsselloch und sperrte zu. "Sorry, A.", sagte er mit einem sehr ernsten Blick. "Aber ich kann dich nicht gehen lassen."



Ich erschrak. "Was...?" "Ich kann dich nicht gehen lassen." "Aber... lass mich sofort raus!" Ich ging auf ihn zu und wollte ihn von der Tür wegzerren. Er hielt meine Arme fest, dann drückte er mich gegen die Wand. "Lass mich los!" "Nein! Du bleibst bei mir!" Er stieß mich vorwärts bis zu seinem Schlafzimmer. Ich versuchte, mich loszureissen, aber er war zu stark. "Lass... mich los!" Er warf mich auf sein Bett, dann verließ er den Raum und sperrte ihn von aussen zu. Eine Weile starrte ich nur ungläubig auf die Tür, dann konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich konnte nicht verstehen, was mit ihm los war. Ich vergrub mein Gesicht im Kopfkissen und weinte. Ich bin wohl dann eingeschlafen, denn ich wurde wach, als es an der Tür klopfte. "Ja?" V. betrat den Raum. Er stellte mir ein Glas Wasser auf den Nachttisch, guckte mich kurz an und ging wieder. Ich trank das Glas leer und legte mich hin. Auf einmal wurde ich totmüde. Ohne es zu wollen schlief ich sofort ein.



Als ich am nächsten Morgen die Augen öffnete, bekam ich einen Schock. Um mich rum auf dem Bett lagen lauter Rosenblüten. Auf dem Nachttisch stand ein Tablett mit Frühstück. Aber mir wurde schlecht und ich konnte und wollte auch nichts essen. Ich hatte schlimme Kopfschmerzen. Ich erinnerte mich wieder daran, dass ich am Abend zuvor sofort einschlief, nachdem ich das Wasser getrunken hab, an alles, was danach war, konnte ich mich kein Bisschen erinnern. Irgendwas ist wohl dadrin gewesen. V. kam rein. "Guten Morgen." Ich schaute ihn nicht an. Ich wollte nicht mit ihm reden, ich hatte Angst vor ihm. Er setzte sich auf die Bettkante. "Sag mal... wie fandest du die vergangene Nacht?" "Warum? Da war doch nichts besonderes..." "Stimmt... du kannst dich nicht mehr erinnern... das Wasser... Doch, da war etwas." Ich dachte nach und plötzlich kam mir ein schrecklicher Gedanke. Ich zog die Decke bis zum Kinn hoch. "M-moment mal, du willst sagen, dass..." "Genau. Das will ich sagen." "Oh, Gott..." Ich konnte es nicht fassen. Das war einfach zu ekelhaft. "Warum...?" Er antwortete nicht. Er ging einfach. Mir kamen wieder die Tränen. Das musste ein Albtraum sein.



V. liebte mich aber ich erwiderte seine Gefühle nicht. Das machte ihn verrückt. Er war irre geworden. Er wollte um jeden Preis mit mir zusammen sein. Er würde mich für immer gefangen halten in diesem dunklen Zimmer. Und er würde jede Nacht kommen, wenn ich schlief. Und ich würde nicht wissen, was er tut. Er kam wieder. "Ich war in der Stadt und habe etwas besorgt." Er holte eine kleine Dose hervor und öffnete sie. Ich hielt mir die Hand vor den Mund und sagte:"Oh, Gott..." Ich musste mich fast übergeben. Ich sah einen silbernen Ring mit einem Diamanten darin. V. steckte ihn mir an den Finger. "Wir werden für immer zusammen sein. Bis der Tod uns scheidet." Das sagte er mit einem Blick, der mir einen Schauer über den Rücken laufen ließ.

Bis der Tod uns scheidet...



Ich sah ihn fassungslos an. Dann starrte ich den Ring an. "Das ist nicht dein Ernst oder?" "Doch, mein voller Ernst." Plötzlich musste ich an R. und D. denken. Sie würden sich doch bestimmt wundern, wo V. und ich sind. Vielleicht könnten sie mich hier rausholen. "Warum tust du das?" "Warum nicht?" Ich begann zu weinen. "Bitte... lass mich gehen." Er setzte sich näher zu mir wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. "Wenn du gehst... sehe ich dich vielleicht nie wieder. Aber ich will mit dir zusammen sein. Für immer." "Warum akzeptierst du nicht, dass ich nicht das gleiche für dich empfinde, wie du für mich...?" "Das kann ich nicht. Ich könnte ohne dich nicht leben." Ich drehte mich von ihm weg und er ging.

An diesem Abend gab er mir kein Mittel um mein Gedächtnis zu löschen, aber in der Nacht kam er wieder. Es war dunkel und ich sah nichts, aber ich spürte, wie er sich zu mir runterbeugte und dann flüsterte er mir ins Ohr: "Ich will doch nicht, dass du wieder was verpasst." Ich hatte Tränen in den Augen und zitterte. Wenn er mich wirklich liebte, warum tat er mir das dann an? "Bitte nicht..." flüsterte ich. "Tu mir das nicht an..." Ich hielt mir das Gesicht zu. Dann merkte ich, wie V. sich neben mich legte.

...Das war die schlimmste Nacht meines Lebens.



Nach dieser Sache hatte ich die ganze Nacht durchgeweint. Das war alles so unwirklich und grauenvoll. Wie lange wollte er mich noch so quälen? Wie lange würde es dauern, bis sich jemand Sorgen machen und mich suchen würde? Ich wollte lieber sterben, als das alles weiter mitmachen zu müssen. Aber das wäre keine Lösung. Vielleicht musste ich sein Spielchen mitmachen. Vielleicht könnte ich es dann besser ertragen.

Ich wurde wach, weil ich Menschen reden hörte. Ich konnte nichts verstehen, aber sie schienen etwas zu besprechen. V. hatte wohl irgendwas vor.

Ich hatte noch mitbekommen, wie er und die andere Person das Haus verließen. Nach einiger Zeit kam V. wieder. Er betrat das Zimmer und hatte einen Karton dabei. Er setzte sich auf die Bettkante und legte ihn vor mich. Ich starrte nur darauf. "Mach auf," forderte mich V. auf. Langsam nahm ich den Deckel ab und holte das Seidenpapier raus. In dem Augenblick, als ich es sah, wollte ich sterben. "A-aber..." Es war ein weisses Brautkleid, dass unglaublich teuer gewesen sein musste. "Das... ist nicht dein Ernst, oder?" "Zieh es an." sagte er und ging aus dem Zimmer. Ich betrachtete es noch eine Weile ungläubig, doch mir blieb nichts anderes übrig, als es anzuziehen. Ein paar Minuten nachdem ich fertig war, holte V. mich ab.



Wir gingen in den Keller. Er war eingerichtet wie eine Kapelle. Wir gingen zwischen den Bänken durch. Ich schaute mich um und bekam eine Gänsehaut. Auf den Bänken waren echt aussehende Puppen platziert, die mir aus irgendeinem Grund Angst machten. Das war gruselig. Die Puppen waren fein gekleidet und starrten nach vorne. Wir kamen vor dem Altar an, wo ein richtiger Priester stand. Es war alles so wie bei einer echten Hochzeit. V. war wirklich irre. Der Priester begann mit der Rede. Er schien nervös, ich war mir sicher, V. hatte ihn bedroht damit er das tat. Während der Mann sprach sah V. mich glücklich an. "Du solltest etwas begeisterter gucken, das sollte der schönste Tag deines Lebens sein." flüsterte er. Aber ich reagierte nicht darauf. Jetzt war der Moment, indem V. und ich uns gegenüber standen und die Hände hielten. In seinen Augen sah ich gleichzeitig Freude und Wahnsinn. Der Priester gab uns die Ringe. Jetzt müsste ich meinem grausamen Entführer das Jawort geben. Plötzlich stieg in mir grosse Wut hoch. "Nein," dachte ich, "so weit darf es nicht kommen..."

"Wenn du, A.... , den hier anwesenden V.... zu deinem rechtmäßigen Ehemann nehmen willst, ihn lieben und ehren in guten, wie in schlechten Zeiten, so antworte mit 'Ja, ich will.'"



"Nein."

"Was?!" stieß V. geschockt aus und nahm ein Messer aus der Innentasche seines Anzugs. Er hob es drohend, aber ich hob mein Knie und verpasste ihm einen gezielten Tritt wohin. Er erschrak und ich nutzte den Moment um ihm die Waffe zu entreißen. Ich stieß ihn zu Boden, kniete mich über ihn, schloss die Augen und stach blind und voller Wut wild auf ihn ein. Der Priester war schon geflohen. Ich hörte auf, richtete mich auf und ließ das Messer fallen. Ich war mir sicher, V. getötet zu haben. Ich rannte aus dem Haus und die Straße entlang. Es war Nacht und keiner zu sehen. Als ich im Laufen an mir runterblickte, sah ich dass mein Kleid voll Blut war. Ich rannte in den Park. Dort lehnte ich mich an einen Baum und begann zu weinen.

Ich stand eine lange Zeit nur da und ließ meinen Gefühlen freien Lauf. Dann hörte ich Schritte. Sie kamen immer näher. Ich drehte mich nicht um. Jetzt stand jemand direkt hinter mir. Ich schloß meine Augen.

Ich hörte V.s Stimme: "Sag 'gute Nacht' mein Schatz." An meiner Kehle spürte ich eine kalte Klinge

.......

Ende

© by Kim Mauser


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