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kooperative Geschichten

Mauser - Verrückt vor liebe

06.10.2007


Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich auf diese Party wollte, ich wollte auch gar nicht hin, aber jetzt war ich froh, dass ich mich von den Anderen überreden lassen habe. "Du wirst es bereuen, glaub mir", sagte mir mein Bruder S. mit einen mitleidigen Blick. "Überlegs dir nochmal." Das habe ich zum Glück auch getan. Jetzt saß ich hier, mit meinem Bruder und unseren drei besten Freunden R., V. und D., in der Bar, die unser Kumpel T. von seinen Eltern geerbt hatte. Das war auch der Anlass zur Feier. "Das ist ihnen zwar dreissig Jahre zu spät eingefallen, aber besser zu spät als nie", meinte er bei seiner kleinen Wilkommensrede. Nun war die Fete voll im Gange. Die Lautstärke war fast unerträglich und es war sehr voll. Die meisten waren schon betrunken, mein Bruder kam leicht angetrunken zu mir gedackelt. Er kam mir ganz nahe und brüllte mir ins Ohr:"Siehste, habsch doch gesagt, dasses cool wird! Wärst nich mitgekommen, hättste was verpasst!" "Ja, is schon ganz cool," antwortete ich,"aber irgendwie zu laut!" Er nickte nur und torkelte wieder weg. V. ließ sich neben mich auf das Sofa plumpsen. Er hatte einen Joint im Mund und nuschelte:"Un J., wie isses? Alles klar?!" Ich wedelte mit der Hand den Rauch vor meinem Gesicht weg und erwiderte:"Naja, etwas zu voll und laut! Aber es ist ok."

V. forderte mich auf, mit ihm unter die Leute zu gehen, anstatt alleine hier rumzusitzen. Ich ging mit ihm zu einer Gruppe, bei der auch meine anderen Kumpel, sowie mein Bruder standen. Jeder von ihnen hatte schon etwas getrunken und ich stand da, immernoch mit dem ersten Bier, das noch fast voll war. Mein Bruder stellte sich neben mich, legte den Arm um meine Schulter und meinte:"Du has ja noch nix getrungen,J.. Was isn los?" Er wackelte dabei rum, als würde er gleich umfallen. Ich wandte mein Gesicht etwas von ihm ab, wegen seiner extremen Fahne. "Nix is. Alles in Ordnung. Ich bin nur irgendwie nich so in Partystimmung." "Hm...", machte er nur und stolperte von dannen. Plötzlich bemerkte ich, dass mich irgendjemand ansah. C. stand mir gegenüber und blickte mir in die Augen. Er schien auch besoffen zu sein und dachte wohl über irgendwas nach. Eine Weile glotzten wir uns nur an. Dann grinste er und hob seine Flasche, was ich dann ebenfalls tat. Er trank sie ganz leer und fiel um. "Oh mann, der verträgt wohl nich so viel, haha!" bemerkte die Person neben mir. Ich half, den vollen Kumpel zum Sofa zu tragen. Ich wollte mal eine kurze Pause machen und ging auf die Toilette. Ich kippte mein Bier dort ins Waschbecken, weil ich einfach keinen Bock mehr drauf hatte. Es wäre an diesem Abend sowieso nicht mehr leer geworden. Eine mir unbekannte Person kam reingestolpert, schloss sich in einer Kabine ein und ich hörte nur noch, wie sie sich übergab. Ich sah in den Spiegel und sagte zu meinem Spiegelbild:"So wirst du nicht enden, bestimmt nicht."

Ich verließ das Bad wieder und begab mich erneut in die feiernde Menge. V. mit dem Joint kam mir entgegen. "Wo warsn du?", fragte er. "Wir dachtn schon, du wärs gegang." "Nein, ich war nur auf Toilette." Wir gingen wieder zu den anderen. Der Abend schien irgendwie kein Ende zu nehmen und ich wusste, ich würde derjenige sein, der später alle nach Hause bringen muss, da ich der einzige war, der noch fähig war, ein Fahrzeug zu fahren. Deshalb konnte ich die Party nicht vor den Anderen verlassen. Ich sah, wie mein bester Kumpel R. mit einer Frau in ein anderes Zimmer verschwand und schüttelte den Kopf. "Freu dich," sagte ich mir selbst, "das wird eine lange Nacht." Als R. und die Frau wieder aus dem Raum kamen, kam mir D. komisch vor. Er sah R. an und scheinte mir irgendwie... eifersüchtig.

Später sah ich, wie die Frau in einen anderen Raum ging. Kurze Zeit später stand D. auf und schien den selben Raum zu betreten. Nach ein paar Sekunden stand ich auf um in den Keller zu gehen, wo ich mir etwas alkoholfreies zum trinken holen wollte. Ich stieg die schmale Steintreppe hinunter und musste sehr aufpassen, dass ich nicht runterfiel. Das Licht im Keller war schon an. Ich ging zum Kühlschrank und als ich ihn öffnete, schien ich ein Geräusch gehört zu haben. Es kam aus einem anderen Kellerraum. Ich richtete mich auf und hielt die Luft an um es vielleicht ein zweites Mal zu hören. Und da war es, jemand schien zu reden. Dann war da ein leicht unterdrückter Schrei. Ich ging leise in die Richtung, aus der es kam und zitterte dabei am ganzen Körper. Ich kam immer näher und betrat schliesslich lautlos den Raum. D. stand mit dem Rücken zu mir an der Wand und vor ihm lag etwas - oder jemand - auf dem Boden. Ich konnte die Luft nicht länger anhalten und atmete aus. D. hörte dies und drehte sich um. Mir blieb fast das Herz stehen... Was ich da auf dem Boden sah, war grauenvoll...

Die Frau, mir der R. vor einer Stunde noch zusammen war, lag dort in einer Blutpfütze. Ihre Augen waren noch geöffnet, aber ihre Kehle war durch geschnitten. D. stand daneben, mit einem blutigen Messer in der Hand und sah mir direkt in die Augen. Ich sah erst auf die Leiche und danach erwiderte ich D.s Blick. Ich war geschockt. Mir wurde auf einmal ganz schlecht und ich musste mich am Türrahmen festhalten, damit ich nicht umfiel. Eine Weile sahen D. und ich uns nur schweigend an. Dann schaute er die Leiche auf dem Boden an, danach kam er ganz langsam auf mich zu. Ich ging immer weiter zurück, bis ich schliesslich nicht weiter konnte, weil dort eine Wand war. D. blieb ein paar Zentimeter vor mir stehen und blickte mir tief in die Augen. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. "W-was, was hast du... gemacht?!" brachte ich hervor. D. blieb ganz ruhig. "Naja... Diese... Frau, sie hat R. angemacht." "Und? Das ist doch nicht verboten, oder?!" "Du... verstehst das nicht..." "Das stimmt, sowas kann ich nicht verstehen." Ich sah ihn angeekelt an. "Warum?" plötzlich wurde er wütend. "Diese... Schlampe hat sich an R. rangemacht!" "Na und?! Warum um alles in der Welt stört es dich?!" "Weil... weil... ach, du hast doch keine Ahnung!" Mit einer Hand drückte er mich an die Wand, mit der anderen hielt er drohend das Messer. "Wenn du irgendjemandem davon erzählst, wenn das auch nur ein Mensch erfährt, dann bist DU der nächste! Klar?!" "J-ja..." Er sah mich noch einmal drohend an, dann ließ er mich los und ging. Ich stand noch eine Weile geschockt da und dachte darüber nach, was gerade passiert war. Als ich noch mal die Leiche ansah kamen mir fast die Tränen. Ich wollte nur noch nach Hause und weg von D. ...


Ich fuhr dann doch alleine nach Hause. Die anderen meinten, sie schlafen im Club. Ich glaube, ich war der einzige, der noch nüchtern war. Auf der Fahrt musste ich die ganze Zeit an den Vorfall im Keller denken. Was, wenn einer die Leiche sieht? T. würde sie auf jeden Fall entdecken. Dann würde D. denken, dass er das von mir weiss und ich wäre tot. Ich war so in Gedanken, dass ich sogar versehentlich eine rote Ampel überfuhr. Ich hatte Angst vor dem nächsten Mal, wenn ich D. begegnen würde, Todesangst. Aber er hatte mir nicht gesagt, warum es ihn so gestört hat, dass diese Frau sich für R. interessierte. "Du hast doch keine Ahnung!" ich dachte wieder an seine Worte. "Wenn du das irgendjemandem erzählst, bist DU der nächste!" Was war nur los mit ihm? So kannte ich ihn garnicht... Und er hatte auch nicht sehr viel getrunken... Es kann nicht am Alkohol gelegen haben. "Ich muss es der Polizei sagen," dachte ich. "Aber dann ist mein Leben beendet..." Es gab nichts, was ich tun konnte. Nur schweigen und so tun, als wäre alles in Ordnung.

Als ich daheim ankam, wollte ich nur noch ins Bett. Als ich gerade ins Schlafzimmer gehen wollte, klingelte es jedoch bei mir. Ich wollte die Tür erst nicht aufmachen, überlegte es mir dann aber doch anders. Aber das war ein Fehler. D. stand dort im Flur und bat mich, ihn reinzulassen. "Nein, ich will jetzt schlafen." "Es dauert auch nicht lange," meinte er ganz ruhig. "Nein. Jetzt nicht." Ich wollte die Tür schliessen, aber er drückte sie von aussen auf. "Was soll das?!" Er kam rein und schloss die Tür hinter sich. "Was hast du denn auf einmal? Ich dachte, wir wären Freunde!" sagte er mit einem fiesen Grinsen. "Nein, D. . Das waren wir mal. Bevor du -" "-Was? Bevor ich diese Tussi umgebracht habe? Was kümmert sie dich? Du kanntest sie nichtmal." "Und du auch nicht." "Du hast Recht. Aber, dass sie R. angemacht hat, war mir Grund genug für diese Tat." "Und warum? Hat er nicht das Recht, Kontakt mit einer Frau aufzunehmen?" "Nicht, wenn ich dabei bin!" "Dann sag mir, warum!" Er schien nachzudenken. "Das... verstehst du nicht... Du würdest mich doch für verrückt halten..." "Vielleicht auch nicht. Was für einen Grund solltest du haben, eine Person zu töten, weil sie sich für R. intere... -" Ich schwieg. Jetzt wurde es mir klar. Eifersucht. Aber nicht, weil D. es auf diese Frau abgesehen hatte, sondern auf R. . "D. ... Moment mal... du..." "Ja, ich." "Aber ER ist... und DU... IHR seid..." "Ich kann es nicht ändern, J. Es ist wie es ist."

Ich wachte aus einem Traum auf. D. war am Abend zuvor doch noch gegangen, allerdings hatte er mir davor nochmal gedroht, dass ich diese Sache keinem erzählen darf. Eigentlich ging mich das auch alles nichts an, aber ich war zur falschen Zeit am falschen Ort. Ich war noch sehr müde, aber aus irgendeinem Grund versuchte ich nicht, wieder einzuschlafen. Mein Handy klingelte. "Hallo?" "Hallo. Sorry, dass ich so früh schon anrufe, aber es ist wichtig." Es war R., er klang irgendwie durcheinander. Ich sah auf die Uhr: halb 5 morgens. "Was ist denn?" "Könntest du herkommen? Ich will nicht am Telefon darüber reden." "Ist es denn so dringend?" "Bitte, J. Komm..." Er legte auf. Er schien wohl etwas sehr wichtiges auf dem Herzen zu haben, also machte ich mich sofort auf den Weg.

"Was ist denn los?" "D. war hier..." "Was wollte er denn?" "Er hat mir gedroht... weil er nicht will, dass ich mich auf irgendeine Frau einlasse..." "Hat er dir auch gesagt, warum er das nicht will?" "Das habe ich ihn auch gefragt, aber er sagte nur: Weil ich es nicht will. Er war echt komisch... Und dann..." "Was war dann?" "Es fällt mir schwer, es jemandem zu erzählen..." "Mir kannst du es ruhig sagen." "Er wurde... gewalttätig... und dann.." Was er mir dann berichtete konnte ich nicht glauben. Es war grauenvoll, abartig. "Ach du Scheisse...Das ist ja... widerlich..." R. war total aufgelöst."Ich weiss nicht, was in ihn gefahren ist... sowas hätte ich nie von ihm gedacht..." Ich tröstete R. und beschloss, bei ihm zu übernachten. Allerdings konnte ich kaum schlafen. Ich musste immer wieder daran denken, auf was für eine schreckliche Art und Weise sich D. plötzlich verändert hatte.

Ich bekam mit, wie R. nachts wach wurde. Er kam ins Wohnzimmer, wo ich auf der Couch lag. "J.? Kannst du schlafen?" "Nein, kann ich nicht. Ich muss die ganze Zeit nachdenken." "Ja ich auch. Ich weiss nicht, was das alles soll. Aber ihn hat es so gestört, dass ich mit dieser Frau geredet hab." "R., kann es sein, dass er dich gezwungen hat, keinem zu erzählen, was er dir angetan hat?" "Ja, er hat mich bedroht. Wieso, dich auch?" "Ja, er wollte nicht, dass jemand erfährt, was er auf der Party gemacht hat, sonst will er mich umbringen." "Was... hat er denn gemacht?" "Die Frau... Er hat... sie getötet." "Was?!" "Und ich habe ihn dabei erwischt. Also hat er mir gedroht, dass ich der nächste bin, wenn es einer erfährt." Wir gingen an diesem Abend nochmal in den Club von T. um uns abzulenken. Er wusste Bescheid. "Ich habe sie im Keller entdeckt. Es lag keine Waffe dabei. Hat einer von euch eine Ahnung, wer das gewesen sein könnte?" Plötzlich stand D. an der Theke und ich hatte das dringende Verlangen, ihm so richtig die Fresse zu polieren. Aber ich musste mich beherrschen. "Keine Ahnung..." antwortete ich, als wüsste ich von nichts. Auch D. gab sich unwissend. "Wer könnte nur sowas schlimmes tun?" Mir wurde schlecht.

Als D. später auf die Toilette ging, folgte ich ihm unauffällig. Ich wartete, bis er aus der Kabine kam und sich die Hände gewaschen hatte. Dann drehte er sich zu mir um und grinste fies. "T. weiss es." Ich blieb ruhig. "Er hat sie entdeckt. Keiner weiss, wer es war." "Das ist gut für dich." Er kam auf mich zu, stellte sich ganz nah vor mich und sagte leise: "Du willst doch noch ein Weilchen leben, nicht wahr?" Plötzlich explodierte ich innerlich. Ich packte ihn am Kragen und drückte ihn gegen die Wand. "Du verdammter H****-sohn! Was hast du mit R. gemacht?!" D. bekam kaum Luft. "Ich weiss nicht... was du meinst..." "Lüg mich nich an du W****er! Er hat es mir gesagt! Du hast ihm gedroht, genau wie mir! Damit wirst du nicht davon kommen A***hloch!" "Komm mal runter!" "Nein, ich komm nicht runter! Du S***isskerl hast R.s Leben versaut! Ich weiss nicht, was mit dir los ist, aber das wirst du büßen!" "Was ich und R. machen, geht dich nen Scheissdreck an!" "Und ob es mich was angeht! R. ist mein bester Freund und er hat es nicht freiwillig getan! Wenn du ihm noch einmal zu nahe kommst, dann..." "Dann was?" "Dann bist DU der nächste!" Ich ließ ihn los und er blieb noch eine Weile an der Wand stehen. Dann sagte er noch: "Und ob ich ihm zu nah komme. Gefühle kann man nicht ändern. Und das werde ich ihm beweisen. Immer und immer wieder." Das war zu viel. Ich drehte mich ein letztes Mal zu ihm um und verpasste ihm einen so heftigen Schlag ins Gesicht, dass er blutete. Er fiel auf den Boden und ich verließ das Bad.

Als ich wieder an die Theke kam, schien R. erleichtert zu sein. "Oh mann. Ich dachte schon, er hätte dir was getan." "Nein es war umgekehrt. Ich habe ihm eine Lektion erteilt. Aber pass auf, er sagte, er würde...das immer wieder tun." "Hat er gesagt?" "Ja, hat er. Er ist völlig verrückt geworden. Der gehört in die geschlossene Anstalt." "Ein Psychopath?" "Ja kann man so sagen." D. kam wieder aus dem Bad. Ich sah, wie er R. fies anlächelte und ich schaute ihm drohend in die Augen. "Hier scheint irgendwie dicke Luft zu sein,"meinte T. . "Gibts Streit?" "Halte dich bitte da raus." erwiderte ich. R. wurde nervös. "Komm, J. . Lass uns gehen." "Ok, ich bezahle nur noch." R. ging schon vor zum Ausgang. Da stellte sich D. ihm in den Weg und streckte seine Hand nach ihm aus. R. hielt D.s Arm fest und sagte mit leicht zitternder Stimme: "Fass mich nicht an...!" Ich kam dazu und D. setzte sich wieder. "Komm, beachte ihn nicht." sagte ich und wir gingen aus dem Club.

Ich brachte R. nach Hause und fuhr dann zu mir heim. Ich war totmüde und immernoch fertig von dem, was die letzte Zeit passiert war. Ich legte mich sofort ins Bett und schlief zu meiner Überraschung in dieser Nacht auch sehr gut. Auch wenn ich viele merkwürdige Träume hatte.

Am nächsten Morgen weckte mich das Klingeln meines Handys. Ich nahm ab. Es war R. und er klang aufgeregt. "J., ich bins. du musst mir helfen." "Was ist denn? Wo bist du?" "Ich weiss nicht, wo ich bin, aber D., er ha-..." Dann wurde die Leitung unterbrochen. Ich machte mir grosse Sorgen. Was hatte D. mit R. gemacht? Ich machte mich sofort auf den Weg zu R. nach Hause. Vielleicht war er dort. Aber so war es nicht. Als ich ankam, war die Tür nicht verschlossen. Ich hatte keine Ahnung wo er war. Aber ich wusste, dass D. bei ihm war. Ich beschloss, zu T. in den Club zu gehen um mit ihm zu reden. "Was ist denn los?" fragte er mich. "Ich bekam heute morgen einen Anruf von R. . Er hörte sich ängstlich an und sagte etwas von D., aber er wusste nicht, wo er ist." "Du denkst D. hat ihn..." "Entführt. Genau." "Aber aus welchem Grund?" Ich erklärte T. die ganze Geschichte der letzten Tage und er war geschockt. "Ach du Scheisse! Das ist... oh Gott..." "Deswegen müssen wir R. helfen, bevor D. noch schlimmeres mit ihm anstellt."

Dann kam D. rein. Wir durften uns natütlich nichts anmerken lassen. "Sag mal, weisst du, wo R. ist?" fragte ich ihn. "Keine Ahnung," meinte er unschuldig. "Habt ihr ihn noch nicht gesehen?" "Nein, aber da du dich ja so für ihn zu interessieren scheinst, dachten wir, du wüsstest es." "Ich hab wirklich keine Ahnung. Und jetzt geh mir nicht auf die Nerven." Er verließ den Club. T. und ich warteten, bis er in sein Auto stieg, dann setzten wir uns in meins. Wir folgten ihm, damit er uns vielleicht dort hinbringt, wo er R. gefangen hielt. Wir folgten ihm über die Autobahn, durch den Wald... es war ein sehr langer Weg. Schliesslich hielt er an einer sehr alten, einsamen Hütte, die auf einem riesigen, verlassenen Feld stand. Um nicht entdeckt zu werden, parkten wir hinter einer Gruppe von Bäumen. "Also gut," sagte T. leise. "Wir wissen nicht, ob er dort Waffen hat. Es kann gefährlich werden. Aber wir müssen R. befreien. Wir stiegen aus dem Auto.

Wir näherten uns unauffällig dem Häuschen. D. war gerade dabei, die Tür zu öffnen. Wir blieben in sicherer Entfernung, bis er schliesslich reinging. Er machte die Tür von innen zu, aber wir wussten nicht, ob er sie auch abgeschlossen hat. Ich wurde nachdenklich. Was hatte meinen Kumpel nur so verändert? Er war nicht mehr er selbst. T. tippte mich an. "Komm, wir gehen näher ran." "Ok..." Wir standen nun ungefähr zwei meter vor der Eingangs tür. Ich ging um das Haus herum und fand an einer Seite ein kleines Fenster, das jedoch sehr hoch war. Ich streckte mich, um hinein sehen zu können. Aber es war sehr dunkel darin und in diesem Raum schien auch niemand gewesen zu sein. Ich ging wieder zum Vordereingang wo T. wartete. "Und? Hast du was gesehen?" "Nein, dadrin war es stockdunkel. Ich denke, wir sollten reingehen." T. war einverstanden. Jetzt waren wir R.s letzte Rettung.

Ich versuchte, die Tür aufzumachen, aber sie war verschlossen. T. trat sie auf. Das war für Ihn kein Problem, die Tür war sowieso nur aus Holz und uralt. Wir stürmten die Hütte und suchten nach dem Raum, wo sich R. und D. befanden. Wir durchsuchten jedes Zimmer. Sie waren nicht mehr da.Aber ich sah auf dem Boden Blut und R.s Ring. Ich kniete mich hin und nahm den Ring. Mir stiegen die Tränen in die Augen. Ich machte mir grosse Vorwürfe. "Wir sind zu spät..." flüsterte ich.

T. kam, kniete sich neben mich und meinte: "Nein, das glaube ich nicht. Wenn D. wirklich das für R. empfindet, was er behauptet, würde er ihn nicht... umbringen." "Aber er ist verrückt." "Aber ich frage mich, wie sie hier raus gekommen sind..." T. stand auf und ging an den Wänden entlang. "Hey! Hier ist was!" Ich stand auf und ging zu ihm. Da war ein Griff an der Wand. T. zog daran und es öffnete sich eine Tür, die wohl nur von innen zu öffnen war. "Aber wo sind sie jetzt?" fragte ich. Wir liefen zum Auto und stiegen ein.

Wir saßen da und hatten keine Ahnung, was wir jetzt tun sollen. Wir wussten nicht, wo D. und R. waren. "Er wollte bestimmt an einen Ort, wo ihn niemand entdecken kann. Wo keiner vermuten könnte, wo sie sind..." sagte T. nach denklich. Wir sahen uns an, denn wir hatten plötzlich denselben Gedanken. "Die alte Gruft auf dem Friedhof!!!" riefen wir gleichzeitig und ich startete den Motor.

Die Gruft, in der sich D. jetzt bestimmt mit R. befand, besuchte er schon vorher gern. Sie war ein altes, leeres Familiengrab und D. hatte dort gerne mit V. was geraucht. Der Friedhof war auch uralt, und dort befand sich so gut wie nie jemand, ausser ein paar kleinen Kindern, die ab und zu dort Blödsinn machten. Ich fuhr so schnell es ging. Ich bekam mit, dass T. irgendwas laberte, aber ich hörte ihm nicht zu. In diesem Moment dachte ich nur noch daran, dass ich R. befreien und D. loswerden wollte.



Ich parkte etwas weiter vom Friedhof entfernt. Wir stiegen aus und gingen durch das verrostete Stahltor. Auf den Gräbern lagen verwelkte Blumen und manche Grabsteine waren von Unkraut verdeckt. Die Atmosphäre hier war unheimlich, wie in einem Horrorfilm. Wir näherten uns der Gruft. T. öffnete sie. Er ging rein und ich blieb davor stehen. T. zündete eine Kerze an. "Er ist hier!" rief er. Ich schaute hinein und sah, wie er R. die Fesseln um die Arme entfernte. Plötzlich spürte ich, dass jemand hinter mir war. Ich sah mich langsam um und da stand D.

"Na, wolltet ihr eurem Freund Gesellschaft leisten?" Ich dachte nach, was ich tun könnte, um D. von der Gruft wegzukriegen. Ich machte es mir leicht, ich schlug ihm ins Gesicht, sodass er etwas zurückflog und auf den Boden fiel. Dann ging ich auf ihn zu. Er rappelte sich auf und sah mich drohend an. Aus dem Augenwinkel konnte ich beobachten, wie T. mit R. in Richtung Ausgangstor ging. R. sah total fertig aus. Auf einmal verpasste mir D. einen heftigen Schlag, dass ich hinfiel und aus dem Mund blutete. Ich stand wieder auf. Dann ging ich auf D. los, packte ihn am Hals, warf ihn heftig auf den Boden und kniete mich über ihn. Ich ließ seinen Hals nicht los und schrie ihn an, wobei ich fast anfing, zu heulen. "Warum tust du das?! Was ist mit dir los?! Siehst du nicht, was du ihm damit antust?! Was soll das, du Penner?!" D. bekam gerade noch genug Luft um zu antworten. "...F**k dich...!" Ich drückte noch fester zu. Ich war so wütend wie noch nie. Ich hätte ihn am liebsten umgebracht. Aber dann nahm er ein Taschenmesser aus seiner Hosentasche und stach es mir in den Arm. Ich ließ seinen Hals los und fiel neben ihn auf den Boden. Jetzt kniete er über mir. Er kam mit seinem Gesicht ganz nah an meins und grinste hinterhältig. Er nahm das Messer langsam aus meinem Arm und hielt es mir an die Kehle. "Willst du noch etwas sagen?" Ich antwortete leise:"...Verrecke... W****er!" Ich schloss fest meine Augen und mir liefen Tränen übers Gesicht. Jetzt würde ich sterben. Er setzte das Messer an...

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...Da hörte ich plötzlich ein Geräusch, das wie die Sirene eines Polizeiwagens klang. Ich öffnete meine Augen und sah, dass D. erschrocken in die Richtung blickte, aus der es kam. Das nutzte ich aus. Ich riss ihm das Messer weg, schubste ihn von mir weg und drückte ihn auf den Boden. Ich zitterte am ganzen Körper, aber ich durfte jetzt nicht schwach werden. Ich musste ihn festhalten. Vier Polizeiwagen hielten vor dem Friedhofstor. Scharfschützen standen am Eingang und drei Polizisten kamen auf uns zu. Einer half mir, aufzustehen, die anderen zwei hoben D. auf und fesselten seine Arme mit Handschellen auf dem Rücken. In diesem Moment wäre ich beinahe zusammengebrochen, riss mich aber zusammen. Die Polizisten brachten D. in den Wagen. Der eine brachte mich zu T. und R., die gerade von dem Hauptkommisar befragt wurden. R. brach seinen Satz ab. "...J.!" Ich drehte mich zu ihm um und er kam auf mich zu. Er sah verheult und blass aus. "J., du... hast dein Leben für mich riskiert..." Er kam näher und umarmte mich. "Ich danke dir..." flüsterte er. "Ich erwiderte seine Umarmung und sagte: "Nein, du musst mir nicht danken. Du bist doch mein bester Freund." R. brach zusammen. Ich hielt ihn noch gerade so fest. Zwei Notärzte kamen mit einer Trage und legten ihn darauf. "Er ist noch traumatisiert.", sagte mir einer von ihnen. "Er muss erst mal ins Krankenhaus und sich eine Weile ausruhen und vom Schock erholen." Sie lieferten ihn in den Krankenwagen und fuhren weg. Ich ging zu T. . "Danke, dass du mir geholfen hast." "Kein Ding." meinte er nur, lächelte leicht und klopfte mir auf die Schulter. Endlich war es vorbei. Das Auto mit den zwei Polizisten und D. fuhr an mir vorbei und als ich ihn sah, tat er mir Leid. Es tat mir Leid, dass ein ehemaliger Freund so tief gesunken war.



ENDE

© by Kim Mauser




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