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kooperative Geschichten

Tatjana - Einsicht

04.10.2006

Jack Butcher, er war gerade erst 27 Jahre geworden, schloss die Augen vor dem grausamen Wind, der über die Pflastersteine der verlassenen Einkaufspassage pfiff.
Es war früher Morgen. Mit einem Fluch fiel ihm die Zigarette aus seinem rechten Mundwinkel. “Verdammt, zischte er, das war meine letzte Zigarette die ich dabei hatte.“ Er zermalte die einsame Kippe mit den Zehenspitzen seiner festen Springerstiefel und vergrub beide Hände in den bauchigen Taschen seines Adidas Anorak.
Für einen Augenblick erhellte ein Strahl warmen Sonnenlichtes das Schaufenster von Brigittes Zeitschriftenladens. Er ging langsam weiter und fing an ein Lied zu pfeifen, das er in der Nacht zuvor in der Kneipe „Zum goldenen Stier“ gehört hatte. Als er nur ein paar Meter weitergegangen war, zog er sich verbittert die Kapuze von seinem schon durchnässten Anorak über den Kopf, denn Regentropfen fielen auf die verlassene, betonierte Einöde. Es war richtig fieses Aprilwetter und nur wenige Autos waren auf der Straße unterwegs, da die meisten Angst hatten in der nächsten Kurve einen Unfall zu bauen.
Er ging weiter und überquerte die Straße, doch er übersah die rote Fußgängerampel
. Er hörte nur noch das schrille Quietschen des Autos in seinen Ohren. Mit drei wackeligen Schritten erreichte er wieder den Fußgängerweg. „Haben sie sich verletzt?“ Er fühlte sich angefasst. Mit einer kräftigen Bewegung befreite er sich aus dem Griff des Alten.
Butcher fuhr mit seiner rechten Hand über seine Jacke. Er berührte den gefälschten Pass. Gute Arbeit dieser Pass. Er hatte auch nicht wenig für ihn bezahlen müssen.
Butcher sah benommen aus. Am Ort des beinahe Unfalls standen viele Menschen und alle starrten ihm nach. Er versuchte unauffällig weiter zulaufen zwischen den vielen Menschen auf der Straße. Er wirkte sehr unsicher und es schien das der Unfall ihn sehr mitgenommen hatte. Unruhig blickten seine Augen zu allen Seiten, aus Angst erkannt zu werden. Die Autos fuhren wieder an und Menschen fluteten durch die Straßen. Butcher fuhr unwillkürlich mit seiner Hand an den Kragen. Erst jetzt merkte er, das seine Hände schweißig und sehr kalt waren. Er schlich weiter durch die Menge und schlüpfte durch ein kleines Loch in einem Zaun. Dabei zerriss er sich seinen rechten Anorakärmel und ein kleiner Stofffetzen blieb am Zaun zurück. Er blickte über seine linke Schulter zurück, um sicher zu gehen, das ihm niemand gefolgt war.
Nachdem er noch einige Meter gegangen war, erreichte er ein dreckiges, verlassenes Fabrikgelände. In den kaputten Fenstern des einsamen Steingebäudes spiegelte sich der orange, rot Himmel wieder.
Hier hatte alles angefangen, vor etwa drei Jahren nach dem Raubüberfall an dem er beteiligt gewesen war. Damals war sein Name schwarz auf weiß auf jeder Anschlagsäule zu lesen gewesen. Jack Butcher stand da, nur gut dass das Foto so schlecht war. Doch sein Name stand fett in den Schlagzeilen jeder Zeitung. Jetzt würde er zur Polizei gehen und ihr alles über den Überfall und die zwei Männer erzählen.
Er grub das Geld aus und machte sich auf den Weg zur Polizei. Ohne noch mal einen Blick auf das Gebäude zu werfen. Von irgendwoher drang laute Musik an seine Ohren. Er wollte entgültig vergessen was passiert war. Er wollte endlich reinen Tisch machen.


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