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kooperative Geschichten

Marc - Geschichten der kürzlich Verstorbenen (Part I)

24.10.2007

Stories of the recently deceased - Geschichten der kürzlich Verstorbenen.



Beginning of a journey - Anfang einer Reise

John McCullan kam langsam zu sich. Das sanfte Rütteln holte ihn sanft aus seinem Schlaf, begleitet mit einem stetig monotonen Geflacker. Schlaftrunken öffnete er seine Augen und blickte an die Decke. Wo zur Hölle war er. Eines stand fest, er war nicht mehr in seinem Bett, in das er sich nach einem harten Tag im Büro hat fallen lassen. Erschrocken sprang er auf und vertrieb damit einen Großteil seiner Müdigkeit. Innerhalb von wenigen Sekunden schien er hellwach zu sein und inspizierte die Situation in der er sich befand.
„Ein Zug! Was mache ich in einem Zug, und wie komme ich hier hin?“ Instinktiv tastete er seinen Körper nach möglichen Verletzungen ab. Immer wieder liest man schließlich in Zeitungen vom illegalen Organschmuggel, und wie sich diese kriminellen Organisationen ihre Ware beschaffen. Erst entführen sie Menschen, betäuben sie und entfernen ihnen Organe. Auch wenn es so gewesen wäre, es hätten keine lebenswichtigen Organe sein können, schließlich lebte John noch. Erleichtert atmet er auf, als er keine Spuren einer Operation an sich finden konnte. Etwas beruhigt darüber, noch vollständig zu sein, wollte er sich anstrengen das nächste Rätsel zu lösen. Er blickte sich im Wagon um, doch außer ihm war niemand dort. Auch der Blick aus dem Fenster konnte keinen Aufschluss geben, denn alle waren schwarz. Irgendjemand hatte sie beschmiert, oder sie wurden aus technischen Gründen abgeklebt. Fakt war jedoch, dass er an keiner Stelle hin durchsehen konnte. Um wenigstens heraus zu finden ob es Tag oder Nacht war, schaute er auf seine Uhr, doch diese war stehen geblieben: 0:59! Nicht mal ein halbes Jahr alt, und schon gibt das Ding seinen Geist auf. Dafür legt man also gute zweieinhalbtausend Dollar auf den Tisch. Vorsichtig begab sich John durch den Wagon, zur Tür die zum nächsten führte. Bevor er sie öffnete versuchte er zu hören, ob sich jemand dahinter befindet, doch außer das Rattern der Räder auf den Schienen und dem Geknister der Spannungsleitungen, oberhalb des Zuges, konnte er nichts hören. Als er den Kopf zur Seite drehte, um sein Ohr an die Tür zu legen, fiel sein Blick auf den Linienplan, der direkt neben ihm hing. Sein Gesicht verzog sich, denn auf das was er dort lesen konnte, konnte er sich keinen Reim machen. Es gab nur zwei Stationen laut Plan. Die Starthaltestelle, und die Endstation. Den heutigen Vandalen war es zu verdanken, das er die Namen der Stationen nicht lesen konnte. Was soll’s, dieser Zug fährt schließlich nicht von allein, irgendwo wird es ja einen Zugführer geben müssen. Entschlossen griff schon zum Türgriff. „Verdammtes Ding, jetzt geh schont auf!“ Er rüttelte und zerrte an der Tür, doch sie schien wie versteinert. Mit einem finalen Tritt beendete er seine Versuche. Leicht ins schwitzen gekommen stützte er die Hände auf seine Oberschenkel und wischte sich mit seinem Ärmel den Schweiß von der Stirn. Als er in dieser Position seinen Blick gen Boden gerichtet hatte, war ihm so, als hätte er einen Schatten hinter sich gesehen. Ruckartig drehte er sich herum, und konnte seinen Augen nicht trauen. Auf dem Platz, an dem er noch vor wenigen Minuten gelegen hatte, saß eine Frau. Ihr Gesicht war blass und als ob das ihr Sinn für Mode wäre, trug sie ein farblich zur Haut abgestimmtes Kleid. Ihr Blick war starr auf John gerichtet, der sich ihr langsam näherte.

„Hallo!“
Die Frau antwortete nicht….
„Hallo, wo sind wir hier? … Wohin fährt dieser Zug?“

Die Frau schien sich nicht daran zu stören, dass sie angesprochen wurde. Als John Schritt für Schritt auf die Frau zuging erkannte er, dass sie etwas auf dem Arm hielt. Etwas war in ein blaues Tuch eingewickelt, und sie wog es sanft in ihren Armen hin und her.

„Hörn Sie Lady, ich will ihnen und ihrem Baby nichts tun, sie brauchen keine Angst haben!
Wissen sie wohin dieser Zug fährt?“
„Ich weiß es nicht, ich bin gerade erst eingestiegen!“

Ihre Stimme klang kalt und Gefühlsarm. So hatte sich John nie die Stimme einer Mutter vorgestellt. Auch wenn es ihm jedes Mal auf die Nerven ging, wenn sich eine Mutter oder sonst jemand einer lächerlichen Babysprache bediente, wenn sie in einen Kinderwagen schaute. Mit dieser Stimme wäre es nicht nur nervig gewesen, sondern auch angst einflössend.
Aber abgesehen vom Klang der Stimme, ergaben die Worte keinen Sinn. „Ich weiß es nicht, ich bin gerade erst eingestiegen!“ Wo soll das gewesen sein? Der Wagon war leer, und der Zug hatte nirgendwo gehalten.
Nun erkannte John das Kleid. Es war kein Kleid, es war ein Patientenkittel. Diese Frau muss aus einem Krankenhaus „entlaufen“ sein. Ein ungutes Gefühl überkam John. Was wenn diese Frau aus einer Psychiatrie geflohen war, oder das Kind in ihren Armen nicht ihr eigenes ist?
Am Kittel der Frau erkannte er Blutflecken, und auch am Tuch, indem das Kind eingewickelt war waren Spuren von Blut zu erkennen.

„Geht es Ihnen gut? … Kann ich Ihnen helfen? … Sind sie verletzt?“
„Nein, es geht uns gut, …jetzt!“

Die Frau hob das kleine Päckchen etwas an und wollte es John zeigen. Dieser konnte es nicht verhindern, dass sich ein Lächeln auf seinem Gesicht breit macht. Mit den Fingerspitzen schob er das Tuch zur Seite, wo er das Gesicht des Babys vermutete. Beinahe wäre er in die nervige Babysprache verfallen, doch daran hinderte ihn der Schrei, der plötzlich aus seiner Kehle ertönte. Sein Gesicht wurde schlagartig blass und er fiel zu Boden. Wild strampelnd versuchte er von der Frau und dem Kind weg zu robben. Die Frau redete in ihrer gewohnt kalten Stimmlage auf John ein.

„Es ist ok, sie müssen sich nicht fürchten! Es kann ihnen nichts passieren!“
„W..w..was zur Hölle haben sie mit dem Kind gemacht?“
„Lassen sie mich das erklären, …“

John lag auf dem Boden und konnte nicht anders, als dieser Stimme zuzuhören. So kalt und unberührt sie auch geklungen hatte, so fesselnd klang sie nun. John zog sich an einem Sitz hoch und ließ sich darauf fallen. Dort liegend hörte er den Ausführungen der Frau zu. Nicht weil er es wollte, sondern weil er nicht anders konnte.


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