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kooperative Geschichten

Vasquez - Der Brunnen

25.10.2007

Es ist ein ovaler, grün gefliester Brunnen mit einer gluckernden Wasserfontäne in der Mitte. An den guten Tagen der Stadtverwaltung spritzt sie hoch auf und die Tropfen glitzern in der Sonne; an den geizigen Tagen schrumpft die Fontäne zu einer blubbernden Erhebung des Wassers.
Er befindet sich in der Mitte eines von Häusern umsäumten Platzes mit Cafés und Restaurants. Eine bronzene Platte nennt den Künstler und erinnert an den Zweck des Brunnens, Zusammenführung verschiedener Individuen oder so etwas Ähnliches.
Aber das Interessante an ihm befindet sich am kurzen Ende des Ovals: Vom Boden des Brunnens blickt ein Wassergeist empor, ebenso grün wie die Kacheln. Er schaut aus seinen dunkelgrünen Augen dem überraschten Touristen ins Gesicht. Die Bewegung des Wassers verleiht ihm eine lebendige Mimik und mit einem überraschten Schrei fahren die über das Becken Gebeugten zurück, bevor sie sich erleichtert auflachend wieder vornüber lehnen und die Statue ihren Freunden zeigen. Die meisten fühlen sich ob ihres Erschreckens ein wenig beschämt und überspielen mit einem hellen Lachen das Zeichen ihrer mangelnden Abgebrühtheit. Im Moment des Zurückzuckens haben sie vergessen, was sie vor langer Zeit lernen mussten, dass nicht sein kann, was nicht nachzuweisen ist. Kurz hat jeder von ihnen an einen wahrhaftigen Wassergeist geglaubt. In ihr Auflachen aber mischt sich Aggression über ihre Torheit und Schmerz über die verlorene Leichtigkeit, die sie in eben jenem Moment der Täuschung empfanden.


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