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kooperative Geschichten

Martin - Die defekte Masche

04.11.2007

Und eigentlich ist es ja auch total peinlich dieses Buch zu kaufen. Als ob ich nicht selber wüsste, wie man eine Frau kennenlernt… na gut, weiß ich nicht, aber das ich dabei dringend Nachhilfe brauche, will ich mir auch nicht eingestehen. Trotzdem ist es ein unheimlicher Reiz der von „Die perfekte Masche“ ausgeht und mich schließlich zwingt, das Buch zu kaufen. Vielleicht ist die Kasse ja von einer fetten, unattraktiven Person besetzt, welche die Anleitung des Buches noch nötiger hat als ich und mir sogar Respekt zollt, da ich ein so starkes Selbstvertrauen aufbringe, mir so etwas zuzulegen.
Die Kasse ist von einem gut aussehenden, schlanken, etwa 21 Jahre alten Mädchen besetzt. Fuck!!! Unschlüssig stehe ich da, stelle mich an der kurzen Schlange an. Ich werde nervös – was für eine Blamage. Eigentlich kann es ihr ja total egal sein, was ich kaufe. Ich bin Kunde und somit König. Und nebenbei noch ihr Lebensunterhaltvergüter. Ich bin einer von vielen, der schnell wieder vergessen wird. Aber bei so einem Buch? Hektisch blicke ich mich nach einer anderen Kasse um. Das ist doch ein riesiges Einkaufszentrum. Da gibt’s mehr Kassen. Da kann man sich eine hässlich besetzte aussuchen. Allerdings sind die alle schon am Geld zählen. Gleich machen die zu. Aber zu einer anderen Kasse werde ich ja wohl noch gehen können. In der Spielwarenabteilung hab ich noch eine gesehen. Meine Chance.
Ich verlasse die Schlange und wende mich Richtung Spielwarenabteilung. An der Kasse steht noch jemand. Und es ist eine Frau, der man das Buch ruhig in die Hand drücken kann, ohne dass sie groß darüber die Stirn runzelt und sich Gedanken macht.
„Hallo.“
Die Dame zählt weiter das Geld. Lauter Zwanziger in ihren Händen. Sie reagiert spät und mit einer Antwort die ich nicht haben wollte: „Die Kasse ist schon geschlossen. Bitte gehen Sie zu den Kollegen in der Schreibwarenabteilung.“ Da wo ich gerade herkomme. Man soll einfach nicht kurz vor Ladenschluss noch was einkaufen. Vor allem nicht so ein Buch. Jetzt bleibt wirklich nur noch Blamage oder Ladendiebstahl. Die Blamage scheint dann schließlich doch das kleinere Übel zu sein.
Ich komme wieder zur Schreibwarenabteilungskasse und werde mit einem: „Die Kasse drüben ist schon geschlossen“ begrüßt. Ja, danke. Jetzt weiß ich das auch. Noch ein Kunde ist vor mir. Din A5-Heft mit EC-Karte bezahlen, sollte auf Strafe verboten werden. Unendlich lang scheint auf dem Display „Vorgang wird bearbeitet“ zu stehen bis sich endlich die Buchstaben zu „Zahlung erfolgt“ neu formieren. Diese Person hat mir wegen 69 Cent vier Minuten meines Lebens gestohlen. Ich schiebe mein Buch der Blondine hin. Rücken natürlich nach oben. Der Titel steht zwar auch auf der Rückseite, aber kleiner und unauffälliger. Vielleicht habe ich Glück. Sie scannt den Bar-Code – ja!!! – jetzt geht sie die Vorderseite nichts mehr an. Sie hat ihre Kohle, mehr will sie nicht. Die Kasse springt auf und sie dreht das Buch in der Hand und blickt etwas zu lange auf die Vorderseite. Nun weiß sie Bescheid. Ein kurzer prüfender Blick in mein Gesicht. Es heißt ja immer, dass der Humor bei Frauen vor dem Aussehen kommt. „Er muss mich zum Lachen bringen. Aussehen ist egal.“ Ja, ne, ist klar. Hab ich zumindest noch nicht in Aktion erlebt. Und ich halte mich für überdurchschnittlich lustig. Das Aussehen ist für mich aber ein Schlüssel dazu, dass Frauen sich überhaupt dazu herablassen mit einem zu sprechen. Wenn dies geschehen ist, fackelt man einen Gag nach dem anderen ab und die Sache ist geritzt. Da wird das Aussehen sekundär. Aber vorher bleibt es die Zugangsberechtigung zur Konversation. Na gut, die Zugangsberechtigung hab ich in dem Fall: Ich bin Kunde und muss bedient werden. Jetzt muss ich ihr nur beweisen, dass ich auch Humor habe. Dann wird sich das alles klären und die peinliche Situation entschärft. Wieder ein prüfender Blick von ihr. Mit Häme, so wie: Der hat es echt nötig. Scheiße. Ich reagiere doch nicht überempfindlich. Da war doch wirklich versteckter Spott. Zum Überspielen setzte ich eine coole Miene auf.
„Man muss ja wissen, was die Konkurrenz so macht.“ Kurzer Lacher und ein Zehn-Euro-Schein über die Ladentheke geschoben.
Sie lächelt etwas gezwungen und tütet das Buch ein. Ich hab es verbockt. Zwanghaft lustig, da es an Selbstvertrauen mangelte und dann dieses unechte Lachen. Einfach nur peinlich. Peinlicher als der Einkauf. Ich nehme so schnell wie möglich das Wechselgeld an mich und mach mich vom Acker.


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