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kooperative Geschichten

Leéin - Alltag

01.12.2007

Es war 5 Uhr Morgens als die ersten Sonnenstrahlen durch die dichte Krone der Bäume auf den Waldboden trafen. Lilliett öffnete erst ein, dann das zweite Auge. Für ihre Verhältnisse war es viel zu früh, aber sie hatte heute etwas zu erledigen. Also raffte sie sich langsam auf, gähnte, wobei ihre langen spitzen Zähne zum Vorschein kamen, und streckte sich einmal katzengleich. Schnell sprang sie von der Astgabel auf der sie geschlafen hatte und landete lautlos auf dem blätterbedeckten Boden. Sie legte sich zwei Finger auf die Lippen und stieß einen hellen, kaum hörbaren Laut aus. Plötzlich hörte man in weiter Ferne das Geräusch von trappelnden Hufen. Das Gestrüpp hinter Lilliett raschelte und ein Pferd trat auf die Lichtung. Es war schneeweiß und hatte einen opalbesetzten Sattel. Lilliett ging in schnellen Schritten auf es zu, murmelte: “Morgen Armageddon...”, und stieg auf. Langsam setzte sich das elegante Tier in Bewegung. Es setze die Hufe leise und behutsam auf den nachgiebigen und vom Morgentau nassen Waldboden. Die Vögel im Blätterdach über ihnen begannen, einer nach dem anderen aufzuwachen und stimmten ein Lied an. Unter Vogelgezwitscher schlug die Reiterin den Weg zu einer einsamen Quelle ein. Ein großer Stein ruhte auf einem kleinen Wasserlauf und das kühle Nass sprudelte lebendig unter ihm hervor. Es verband sich zu einem kleinen Bach und floss in ein von der Witterung ausgespültes, steinernes Becken. Lilliett hielt an und stieg ab. Langsam und mit routinierten Bewegungen begann sie das Pferd abzusatteln. Dann entkleidete sie sich vollständig und stieg in die kleine Quelle. Ihre hüftlangen, fliederfarbenen Harre umspielten ihren Walkürenhaften Körper. Mit ihren giftgrünen, schmalen Augen suchte sie eine geeignete Sitzgelegenheit in dem Becken. Sie ließ sich seufzend auf einer Ausbuchtung im Stein nieder und lehnte den spitzohrigen Kopf an die Felswand. Nach geraumer Zeit stand sie wieder auf und stieg aus dem Becken. Nachdem sie sich wieder angekleidet hatte, sattelte sie Armageddon und stieg auf.
Ihr Weg führte in eine florierende Siedlung, auf deren engen Straßen schon geschäftige Menschen wuselten. Als das treue Reittier durch das Stadttor trat, formten sich die Menschentrauben respektvoll zu zwei langen Balken, der eine links, der andere rechts, sodass Lilliett problemlos ihrer Wege gehen konnte. Dies war nichts Ungewöhnliches, die “Waldreiterin” kannte jeder in diesem Gebiet.
Eben jene hielt vor einer kleinen Boutique für Damenkleidung an und stieg ab. Sogleich kam ein kleiner Junge herangeeilt, der sich ein paar Taler versprach. Lilliett drückte ihm die Zügel in die Hand und bedeutete ihm mit einem scharfen Blick, dass er bei dem bloßen Gedanken an Diebstahl seines Lebens nicht mehr froh werden würde. So schritt sie die kleine Treppe zum Geschäft hinauf und trat ein. Die Türglocke erklang hell und durchdringend, als die Reiterin eintrat. Die Boutique war nicht sehr groß, ein erwachsener Mann hätte sich kaum auf dem Boden auszustrecken vermocht. Auch hätte er den Kopf ein wenig einziehen müssen, was Lilliett, ca. 6 Fuß hoch und damit größer als die meisten Menschen, nun ebenso tun musste. So schaute sie sich also mit seitlich geneigtem Kopf um, als bald auch schon die Ladenbesitzerin erschien. Mit neugierigem Blick musterte sie Lilliett, worauf das Erkennen einsetze und sie herzlich zu ihr herauf lächelte. Sogleich fragte sie: “Gott zum Gruße, was führt Sie in mein bescheidenes Geschäft?” Die Reiterin grinste, den Gruß von Gott konnte sie gleich wieder zurücknehmen. “Ich suche einen Reisemantel, farblich dem Wald angepasst, leicht, jedoch auch warm und zum Reiten geeignet.” Für einen Moment ließ das herzensgute Lächeln der Verkäuferin etwas nach, solch ein Mantel, voraus man konnte ihn beschaffen, war schwerlich zu bezahlen. Doch war heute scheinbar ein Glückstag für Lilliett, mit schnellem Schritt ging die Verkäuferin in eine Ecke der Boutique und kehrte mit einem Mantel, den Wünschen der Kundin entsprechend, zurück. Er war aus schwarzem Leder, und innen gefüttert mit nachtmoosgrünem Samt. Die Verschlüsse waren aus Weißgold und mit filigranen Ranken verziert. Wahrlich ein schönes Stück Handarbeit, dass allerdings auch seinen Preis hatte. “320 Goldtaler kostet das gute Stück”, sagte die Ladenbesitzerin. Lilliett kramte kurz in den Taschen ihres alten, sehr abgetragenen Mantels und zog die gewünschte Summe heraus. Murrend übergab Lilliett der Frau das kleine Vermögen, worauf deren Lächeln noch eine Spur breiter wurde. Mit schnellen Bewegungen öffnete Lilliett die Verschlüsse ihres alten Mantels und er glitt von ihren Schultern. “Finden Sie für diesen Fetzen noch Verwendung?” fragte sie die Verkäuferin und hielt ihr den Mantel hin. Diese begutachtete diesen und ihre rehbraunen Augen weiteten sich. Lilliett grinste erneut, der Mantel war selbst in diesem Zustand noch einiges Wert. “Ist das... Wolfshaar?” fragte die erstaunte Frau. Lilliett nickte, unaufhörlich grinsend. “Wie viel wollen Sie dafür?” Sie überlegte kurz und sagte dann: “30 Silbertaler.” Sichtlich überrascht über den niedrigen Preis willigte die Verkäuferin ein und Lilliett übergab den Mantel. Sie verabschiedete sich und verlies das Geschäft.
Draußen wartete schon der Junge, dem sie ihr Pferd anvertraut hatte auf seine Bezahlung. Sie drückte ihm ein paar Taler in die kleine Hand, er sagte “Danke My Lady” und lief davon, vermutlich auf der Suche nach der nächsten Arbeit.
Froh über ihre neue Errungenschaft stieg sie auf Armageddon und ritt zur nächsten Schmiede. Dort angekommen lief gleich ein Stalljunge auf sie zu und führte sie, mitsamt Pferd ins Innere. Diese war größer als die herkömmlichen, hell und geräumig. Lilliett ließ sich von Armageddon herunter und landete neben dem Stalljungen. “So, kannst du mir sagen wo sich euer Schmied gerade aufhält?” Der 15, höchstens 16 Jährige Junge wies weiter hinter in die Schmiedehalle, als auch schon ein korpulenter Mann mit einem dreckigen mehr als 3 Tage Barte herankam. “Morgen My Lady, was kann´sch für se tun?” Klarer sprechen, dachte sich Lilliett aber antwortete sogleich in netten, leicht heuchlerischen Ton: “Mein Pferd muss neu beschlagen werden, die Eisen sind schon rau und abgetreten.” Er nickte und sie übergab ihm die Zügel. Er war schon fast fort als er sich noch einmal umdrehte und rief: “Madam? Wat für Eisen denn speziell?” Resigniert über seine furchtbare Aussprache antworte sie kurz: “Doppelt gehärtetes Aluminium Herzeisen, sofern Sie welche haben?” Er nickte und entfernte sich. Unterdessen besah sie sich den Stalljungen, der während ihres Gesprächs nur still zugehört hatte und jetzt einige herumliegende Werkzeuge sortierte. Er war klein für sein Alter, hager und sein schmutzblondes Haar hatte er zu einem Zopf im Nacken zusammengebunden. Seine Kleidung war alt und abgetragen. Er bekam wohl nur einen Hungerlohn. Wie sie ihn so stirnrunzelnd musterte drehte er sich wieder herum und starrte sie an. Irritiert ging er weiter seiner Arbeit nach, ohne jedoch davon lassen zu können, gelegentlich einen Blick auf seine merkwürdige Beobachterin zu riskieren.
Eine Weile und viele, viele verstohlene Blicke später kam der Schmied wieder zurück, Lilliett nahm Armageddon, bezahlt und ging. Doch bevor sie ganz heraus war, machte sie noch einmal auf dem Absatz kehrt, ging zum Hufschmied, gab ihm einen Goldtaler und sagte: “Geben sie den ihrem Stalljungen, der hat es nötig.” Dies klang eher wie ein Befehl als wie ein Rat. Und normalerweise hätte der Schmied dem “Rat” einer Frau nie Folge geleistet, doch kannte er sie und die Geschichten die in der Taverne über sie erzählt wurden und so tat er wie ihm geheißen und gab dem Stalljungen den Taler der diesen überrascht an sich nahm.
Als er sich noch einmal umdrehte war Lilliett schon heraus aus der Schmiede, heraus aus der Stadt und folgte einem kleinen Pfad hinauf in die Berge, ungewiss dessen wohin dieser führen würde.


Leéin
bitte, bitte schreibt mir ein paar komis ^^

Sabbü
Cool, du hast aber Fantasie, schreibst du noch weiter?? lg sabbü