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kooperative Geschichten

Julie - Welcome to the Nobodies (Kapitel 1/NORTON)

13.11.2008

NORTON

1. Akt
So trostlos, da geht man doch höchstens zum sterben hin, dieser Ort hat KEINE Zukunft… so was bekommt man oft zu hören. Kaum ein Reisender ist von unserem Zuhause begeistert. Obwohl, es gibt auch absolut keinen Anlass, diesen Ort zu mögen.
Mitten in der Steppe, dürres Brachland, zu wenig Wasservorräte und keinen Ausweg. Zumindest für die Einwohner. Reisende können per Zug schnellstens die Flucht ergreifen, während die Bürger bleiben müssen, egal was auch passiert. Hier leben Verbrecher und zwar ausschließlich. Jeder von uns hat eine Tat begangen, sei es nur ein Taschendiebstahl oder ein Serienmord - sie werden mit den Zug hergebracht und anderswo wird ihre Existenz ausgelöscht. Ausnahmelos alles wird vernichtet, Papiere, Ausweise und wenn nötig Familien. Du bist in der Außenwelt nie geboren und musst den Rest deines Lebens mitten im Nichts verbringen. Einige finden sich damit ab, andere drehen durch oder werden depressiv. Es gibt hier zahllose Arten zu sterben, aber nur wenige Möglichkeiten zu überleben.
Mein Name ist Norton Ich besitze keinen Nachnamen, der ist hier völlig überflüssig. Ich habe mich damals nach meiner Ankunft für das Mühsame Überleben entschieden und im Moment bereue ich es nicht. Allerdings kann sich das schnell ändern.

Ich habe den Metzger zur Freiheit verholfen und damit ist mein Auftrag erledigt. Personen verschwinden lassen, bevor die Jäger zuschlagen können, das ist mein Job, mein Zeitvertreib. Ist nicht immer einfach, aber dadurch habe ich mir einen gewissen Status in der Stadt erarbeitet. Unser Quartier liegt im Wohnviertel. Wir sind immer mehrere, denn allein ist es einfach zu riskant. Egil, Erica und Remy sind meine Verbündeten. Du brauchst auf jeden Fall jemanden, der dir im Notfall den Rücken freihält, ansonsten liegst du schon morgen Tod im Wüstensand. Egil ist mein ältester Freund, er ist damals zusammen mit mir deportiert worden. Erica wird allgemein als Hexe bezeichnet, da sie aus bestimmten Steppenkräutern Medikamente und andere kleine Wundermittel herstellt. Remy ist der Ruhige. Eigentlich gehört er in das Fratzenhaus, aber er hat sich partout dagegen gewehrt. Wir gelten in der Gemeinschaft eher als Außenseiter, aber respektierte Außenseiter.
Denn wir sind die einzigen, die das Problem mit den Jägern aktiv bekämpfen. Als ich an unseren Backsteinhaus ankomme, steht Egil schon vor den Eingang. “Heute trifft eine Ladung ein. Da können wir uns eventuell ein neues Mitglied herauspicken”.
Richtig, ein neues Mitglied. Letzte Woche wurde Janosch von den Jägern überrascht, dabei wollte er nur etwas Nahrung kaufen. Jetzt liegt er unter der Erde. Wir brauchen dringend Ersatz, jedoch sind die Menschen hier einfach zu furchtsam, aber… wer kann es ihnen verübeln. Neulinge hingegen sind wie ungeschliffene Edelsteine. Ihre Unerfahrenheit machen wir uns zu nutze. Wenn man außerdem alleine ankommt, sollte man sich so schnell wie möglich Freunde suchen, denn man weiß ja nie…


2. Akt
Am frühen Abend, an dem die Sonne alles in tiefes rot taucht gehen Egil und ich zum Bahnhof. Hier warten bereits schon einige auf die Neuankömmlinge, denn wir sind ja schließlich nicht die einzigen, die diese Chance ausnutzen wollen. Da wären einmal die Händler aus den Lebensmittelläden - sie suchen nach jungen Mädchen, die am Verkaufstresen stehen und tatkräftige Burschen, die im Hintergrund die schweren Arbeiten verrichten.
Weiter hinten sind die Metzger. Sie suchen nach Muskulösen und nicht ganz so intelligenten Männern , die mit einem einzigen Beilhieb ganze Oberschenkel durchtrennen können. Dann sind da noch die Schauspieler. Sie warten auf Redegewandte, junge und kreative Seelen, die das Publikum um den Finger wickeln können. Die einzigen, die zu solchen Gelegenheiten nie auftauchen sind die Jäger. Sie sprechen ihre potenziellen Anwärter auf der Straße an, um nicht soviel Aufmerksamkeit zu erregen. Eine Gute Taktik, denn so kannst du dir eigentlich nie sicher sein, wem du vertrauen schenken kannst. Da kommt schon die Bahn. Langsam rollt sie auf den Gleisen aus und kommt schließlich zu stehen.
Die einen die aussteigen sehen aus wie Landstreicher, während die anderen wohl gut betuchte Persönlichkeiten waren, bevor sie den Fehler begannen. “Zu unerfahren…. der hat keinen Mumm… sie sieht nicht gerade vertrauenswürdig aus…”. Egil besitzt eine exzellente Menschenkenntnis, auf die wir uns voll und ganz verlassen können.
Die letzten Neuankömmlinge steigen aus dem Zug und er schüttelt enttäuscht den Kopf. “Keine gute Ladung, da war kein einziger viel versprechend”. “Wir gehen also leer aus?”. “… Ich befürchte ja”.



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