Lena - Frau Sonnenschein17.02.2009
Ein Brief an eine Person, die mich sehr enttäuscht hat.
Fräulein Sonnenschein, was ist denn mit Ihnen passiert? Erst so stark und jetzt so schwach. Wo liegt denn Ihr Problem? Wie können Sie es nicht mehr hier aushalten? Das Klima hat sich doch gebessert. Ihre Art lässt mich nicht immer entzücken und ich mag Sie wirklich manchmal nicht. Ich akzeptiere Sie aber. Ich bin eher so etwas, wie ein kleiner Summer im Hintergrund. Aber ich halte mich da raus, wirklich. Nur wissen Sie, Frau Sonnenschein, die Sonne scheint wohl länger nicht mehr? Bei Ihnen. Sie und ich, wir beide waren wie Feuer und Wasser, wir beide lebten das letzte Jahrzehnt zusammen, wir sahen uns fast immer und waren guter Dinge. Und dann habe ich diese eine Entscheidung getroffen und Sie gehen daran kaputt?
Aber Liebes! Das Leben geht doch weiter. Menschen machen nun mal Fehler. Und wenn jeder Fehler bestraft werden würde, dürften wir keine machen. So sind wir Menschen eben. Aber Sie, als Sonne sehen die Welt mit verschlossen Augen, oder? Wie kann man denn so im Mitleid versinken? Selbstmitleid. Machen wir uns nichts vor, Sie haben immer schon einen unklaren Eindruck auf mich gemacht. Aber lösen sich solche Regenwölkchen nicht mit Worten? Oder bleiben Sie voll und ganz der Meinung, dass man über so was nicht spricht. So lange bis die Wolken sich vor Sie schieben und Sie verschwinden lassen. Ist es so gewesen? Konnten Sie nicht einmal den Mund aufmachen?
Wüssten Sie, wie erschrocken Sie mich damit haben. Was denken Sie sich denn dabei?
Sie reden mit keinem darüber und verschwinden dann einfach. Frau Sonnenschein, Sie wussten es die ganze Zeit schon? Mir kam das eh schon immer so komisch vor.
Aber ehrlich gesagt, hätte ich nie im Leben daran gedacht, dass Sie so handeln. Warum denn nun? Denken Sie, wir hätten uns gegen Sie verschworen? In so einer Gesellschaft? Sie haben sich doch, ganz ehrlich selbst gegen uns verschworen. Das soll kein Vorwurf sein. Sie verwundern mich nur ein wenig. Wissen Sie, waren Sie es nicht, die immer den anderen aus dem Weg gegangen ist? Ihre Art ist keine Leichte, Frau Sonnenschein. Sie sind sehr schwierig und nehmen sich alles zu Herzen. Letzten zuerst, ich lachte über einen und Sie dachten gleich, dass Sie es wären. War natürlich komplett falsch. Sie haben mich wohl nicht verstehen wollen, oder? Herje, ich weiß wie schwer Ihnen das Leben fällt. Zumindest erahne ich es.
Ich habe versucht mit Ihnen ganz normal umzugehen, wie man das eben macht. Natürlich habe ich auch mal über Sie gelacht, aber muss ich Sie gleich darum hassen oder über Sie lästern? Ich halte nichts vom Lästern. Ich halte mich meist raus und sage nur überlegte Sachen. Ich meine, wir werden doch alle mal erwachsen. Und dann lernt man schneller und denkt erst bevor man etwas sagt. Aber Sie haben immer gleich alles so persönlich genommen. Sie kamen nicht so gut in unserer Gesellschaft an. Wir haben Sie doch nicht ausgeschlossen!
Wer es nicht eher anders rum? Ich habe das Gefühl gehabt, dass Sie gar nichts mehr mit uns zu tun haben wollten. Und das hat sich seit Beginn Ihrer Laufbahn mit uns entwickelt? Ich erinnere mich an ganz andere Zeiten. Wo Sie andere Schüler diskriminierten und ausgeschlossen haben. Sie haben sie verspottet und gelästert. Und Sie haben dann wohl auch versucht, sich zu ändern? War es so? Anstatt sich zu öffnen gingen Sie immer ein Schritt zurück und lachten auch dabei. Ihre fiesen Blicke waren auch nicht gerade freundlich. Waren Sie überhaupt freundlich? Im Herzen der Sonne ein kühler Klotz? Eiskalt? Muss hart sein. Kalt. Sehr kalt.
Aber Frau Sonnenschein, ohne Ihnen etwas vorzuwerfen, Sie hatten doch erst zuletzt noch fröhlich mit einigen von Uns zusammen gestanden. Eine Maske?
Sie behaupten also, oder haben es laut einer Person getan, ausgegrenzt zu werden? Ach ja? Dann möchte ich Ihnen jetzt noch eine Frage stellen: Kommen Sie ohne Freunde nicht klar? In ihrer Verschnaufpause hatten Sie doch Freunde! Und während der Arbeit sollte man doch nicht auf andere hören, schauen, achten? Sollte man nicht eher sein eigenes Ding durchziehen?
Natürlich könnten Sie sich extrem unwohl zwischen uns gefühlt haben, und das Wohl geht ja vor. Aber ohne ein Wort von heute auf morgen alles zu beenden, noch nicht mal drüber sprechen? War Ihnen das unangenehm, wollten Sie nicht wie einige andere aus unserer Klasse enden? Hatten Sie einfach nicht den Mut? Angst?
Frau Sonnenschein, Sie haben Rätsel hinterlassen. Jetzt, nach so vielen Jahren, einem halten Jahrzehnt auf einmal zu sagen, dass Sie so nicht mehr können, ist etwas zu spät? Vielleicht wird es auch ganz anders kommen, aber bedenken Sie: Sie werden immer jemanden gegen sich haben, uns. Nicht alle, vielleicht auch nur wenige, auch nicht mich. Aber wenn man einfach so abhaut und kein Sterbenswörtchen sagt, noch nicht mal andeutet, ist das doch etwas armselig. Stellen Sie sich mal vor, in Ihrer neuen Gemeinschaft kommen Sie so gar nicht gut an. Und ein Rückwechselt ist ja mal völlig ausgeschlossen, bei uns würden Sie eh nicht mehr landen. Nun stellen Sie sich vor, Sie kommen rein auf gesellschaftlicher Basis nicht mit ihrem Kreis klar. Sicherlich gibt es einige, die Sie gut kennen und mit ihnen gut befreundet sind. Der mehr oder wenig neue alte Stoff ist zu unverständlich für Sie, Sie kommen mit den Moralpersonen nicht klar. Was machen Sie, wenn Sie gar keiner mag? Wenn Sie sich mal streiten oder mal jemanden zum Reden brauchen?
Ihre Entscheidung hat meiner Ansicht nach viele Fehler. Soll ich Ihnen mal etwas verraten?
Wir haben natürlich schon gehört, wie der erste Tag bei den anderen war. Sie, Frau Sonnenschein, hätten Süßigkeiten verteilt, Sie! Süßigkeiten. Dieser Trick zieht seit der 3. Klasse nicht mehr. Was sollen die denn jetzt von Ihnen denken? Das Sie sich einschleimen wollen? Wäre leicht zu vermuten, ist natürlich nur eine Spekulation. Denken Sie, die kommen jetzt besser mit Ihnen klar? Oder denken Sie eher, Sie kommen jetzt besser klar?
Man hat uns erzählt, Sie hätten durch uns psychische Probleme bekommen, zumindest heißt es das, was man uns erzählt hat. Wir haben Sie anscheinend sehr verletzt und geärgert, Frau Sonnenschein? Wirklich? Können Sie das beweisen? Ich denke, man muss nicht mit jedem klar kommen. Auch nicht mit Ihnen. Wenn ich jemanden nicht mag, gehe ich ihm aus dem Weg. Sie sind uns also allen aus dem Weg gegangen? Sie mochten uns alle nicht? Hielten nichts von uns? Dabei denke ich, dass wir noch eine der sozialsten Gemeinschaften waren. Sind. Durch Ihren Wechsel werden wir nun noch besser zu Recht kommen. Sie gucken uns nicht einmal mehr an, Frau Sonneschein. Sie reden nicht mehr mit uns. Und wir stehen als Idioten da. Uns wird etwas vorgeworfen, wo niemals drüber gesprochen wurde. Wir wissen quasi nicht worum es hier geht. Soll ich Ihnen mal im Vertrauen etwas erzählen?
Ich fühle mich zwar nicht von meiner Gesellschaft ausgegrenzt, habe aber auch keine Bezugsperson. Manchmal stehe ich ganz alleine dort. Alleine. Einsam. Aber ich mache mir nichts draus. Noch sind es die besten Jahre meines Lebens. Noch ist alles okay. Wenn ich arbeite interessieren mich andere erst gar nicht, ich tu das was mir gefällt. So einfach ist das. Wenn Sie wirklich so sind, wie es sich letzten Endes rausgestellt hat, haben Sie dann also seit mehr als vier Jahren ein Spiel mit uns gespielt? Sie haben sich wirklich sehr verändert. Aber ich denke kaum, dass es an uns lag. Mit zunehmenden Alter sind Sie unfreundlicher und wenn ich das mal so sagen darf, zickiger geworden. Sie kommen auch nicht gut bei den Moralisierten an. Weil Sie sich immer gegen alle verschworen haben. Natürlich, Sie kommen auch mit den Moralisierten nicht klar. Sie mögen die ganze Welt nicht. Alles das, was mit uns zu tun hat. Mit mir, oder? Liegt es denn nun an mir, oder nicht? Wissen Sie Frau Sonnenschein, wenn ich Ihnen mal einen Tipp geben darf, nach langjähriger Erfahrung, dann nehmen Sie sich zu herzen, dass nicht immer die anderen Schuld sind. Nein, so ist es nicht. Und stellen Sie sich nicht immer gegen alle. Sind Sie nicht kritikfähig? Habe ich Recht? Was ist bloß mit Ihnen passiert, keiner erkennt Sie wieder. Noch nicht mal ich.
Ehrlich gesagt bin ich enttäuscht und wütend und beleidigt, von dem was Sie schon so lange wussten! Sie haben mir nie etwas erzählt und wenn ich es mir recht überlege, haben Sie auch nie wirklich über irgendjemand permanent geklagt. Nein, haben Sie nicht. Sie haben oft von uns gesprochen, aber Sie sprachen nie so verachtend. Jetzt wo Sie weg sind, glaube ich manchmal, Sie kommen jeden Augenblick um die Ecke. Weil Sie wieder etwas vergessen haben, irgendwas. Sie vergessen sonst immer was. Sie haben uns verdammte Scheiße nochmal alle verarscht! Was denken Sie sich denn dabei? Haben Sie sich überhaupt etwas dabei gedacht? Ich sehe schon, wie Sie später selbst nicht mehr mit Ihnen klar kommen.
Mein Frust ist tief in mir, und ich habe auch nichts dagegen. Ich weiß, dass auch ich Fehler gemacht habe, Sie nicht? Wir alle? Nur Sie nicht. Wissen Sie, ich werde wahrscheinlich nie verstehen, warum Sie ausgerechnet diesen Schritt gemacht haben. Und ehrlich gesagt, will ich es auch gar nicht wissen. Ab dem Tag, wo Sie uns abgelehnt haben, sind wir Konkurrenten. Wir haben nicht die selbe Gemeinschaft, wir sehen anders aus, wir riechen und reden anders, wir denken anders. Aber vor allem, Frau Sonnenschein, weiß leider nur einer von uns, wie das Leben läuft. Wie es tickt und das es weitergeht. Ich stehe jetzt nicht als Gewinner da, Sie auch nicht. Wollten Sie mich eigentlich nur schocken? Ich lache im nach hinein darüber, so wie es gekommen ist. Das sie all ihre Erinnerungen ablehnen und wegwerfen wollen. Aber ich wette mit Ihnen, tief im inneren ihres Herzens, ist ein kleines Stück Hoffnung, dass Sie nie in Ihrem Leben spüren werden.
Und immer wenn wir uns morgens begegnen, werde ich Sie anstrahlen, ich werde so glücklich sein, wie ich es noch nie zuvor am Morgen war. Und wissen Sie warum?
Weil ich weiß, was alles in Ihrem Leben falsch gelaufen ist. Und was für einen riesigen Fehler Sie niemals einsehen werden. Niemals. Niemals!
0 Kommentare
|