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kooperative Geschichten

Mareike - Das Schattenauge- Abschnitt 3

08.04.2009

Sehr, sehr langsam kam Sam wieder zu Bewusstsein. Sie erkannte, dass sie auf dem Boden lag, umringt von ihrer Familie. Als diese sahen, dass Sam wieder zu sich kam, wollte ihr Vater sie sofort aufrichten, doch ihre Mutter hielt ihn zurück und sagte etwas, aber Sam konnte die Bedeutung der Worte nicht in sich aufnehmen. Sie betrachtete nur die Gesichter ihrer Eltern und stellte fest, dass sie von Angst gezeichnet waren.
Im selben Augenblick kam der Arzt hinein, den ihre Eltern wohl gerufen haben mussten. Sofort kniete er sich neben Sam und stellte, während er sie überall untersuchte, ihren Eltern Fragen. Wieder konnte Sam den Sinn der Worte nicht erfassen.
Nach der kurzen Untersuchung setzte der Arzt Sam vorsichtig auf und schon ging es ihr etwas besser. Langsam verstand sie die Worte des Arztes, die nun an sie gerichtet waren.
"Sam, kannst du mich hören? Sam, du musste etwas sagen. Komm schon, sag mir, was los ist. Kannst du mich hören?"
Mühsam presste Sam hervor: "Hören konnte ich Sie schon die ganze Zeit, nur verstanden habe ich Sie bis jetzt noch nicht."
Der Arzt schien erleichtert und wandte sich nun an ihre Eltern. "Ins Krankenhaus muss sie nicht, aber sie braucht ein paar Tage Bettruhe und da ich mich in diesem Gebiet nicht besonders gut auskenne, werde ich ihnen morgen einen Psychologen schicken. Sie können das Mädchen jetzt hochbringen."
Besorgt hockte sich ihr Vater neben sie, nahm sie und trug Sam die Treppe hoch. Sams immer noch etwas abwesender Blick streifte Herrn Mantel, der immer noch am Küchentisch saß und sie böse anfunkelte. Sofort zuckte Sam zusammen und stieß ein leises Wimmern aus. Ihr Vater blieb stehen und sah sie fragend an, doch Sam senkte nur den Blick. Sie wollte jetzt nicht darüber nachdenken. Noch nicht.
Ihr Vater trug sie weiter die Treppe hinauf und legte sie in ihrem Zimmer auf ihr Bett. Sofort merkte Sam, wie erschöpft sie war und schlief ein. Doch sie wusste ganz genau, dass sich ihre Eltern und der Arzt gerade unten ausgiebig über sie unterhielten, aber Sam wollte einfach noch nicht darüber nachdenken.
Sam hatte einen unruhigen Schlaf. Immer wieder wachte sie fast auf oder weinte im Schlaf.
Um zehn Uhr Morgens, als der Psychologe kam, schlief sie immer noch. Nach einen Gespräch mit Sams Eltern und dem Arzt ging er nach oben in Sams Zimmer und setzte sich an ihr Bett, um ihren Schlaf zu beobachten.
Immer wieder schienen sich ihre Augen fast zu öffnen oder Tränen stiegen aus ihnen empor.
Schließlich konnte sich das der Psychologe nicht mehr mitansehen und weckte Sam behutsam. Doch das schien bedeutend schwieriger als er gedacht hatte. Als wenn Sam in ihrem Inneren einen viel tieferen Schlaf hatte, aus dem sie nicht mehr erwachen konnte.
Doch mit gewaltiger Anstrengung schaffte sie es schließlich ihre Augen zu öffnen und setzte sich langsam und schwerfällig auf. Blinzelnd sah sie sich um. Da bekam sie plötzlich einen Kraftschub und war hellwach.
Ausdruckslos sah sie den Fremden an, der an ihrem Bett saß und dieser lächelte zurück. "Hallo Sam, wie geht es dir?"
"Den Umständen entsprechend", antwortete Sam immer noch ohne eine Gefühlsregung. Sie hatte keine Lust sich mit irgendwelchen Ärzten zu unterhalten, sondern wollte jetzt nachdenken.
"Also... vielleicht können wir ja zusammen darüber nachdenken. Wie wäre das?", sagte der Psychologe etwas verwirrt.
Entsetzt wurde Sam klar, dass sie das, was sie eigentlich nur denken wollte, laut ausgesprochen hatte. Verlegen starrez sie den Psychologen an. Anscheinend war ihr Gleichgewicht etwas durcheinander.
"Ich will ja nicht unhöflich sein, aber ich würde gerne erst einmal ein bisschen darüber nachdenken. Wenn es ihnen nichts ausmacht", entgegnete Sam unsicher.
Der Psychologe nickte nur und verließ ihr Zimmer. Er wollte dem Arzt von Sams Schlaf berichten.
Sam seufzte schwer und setzte sich an ihr Fenster. Nachdem sie dieses geöffnet hatte, sog sie die frische klare Luft ein. Nach einer Weile ging es ihr schon viel besser. Sie war sich sogar sicher, dass es ihr wieder vollkommen gut ging.
Nun konnte sie nachdenken.

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