Carlie - Snow01.06.2009
Ich hörte meine eigenen, hastigen Schritte im Schnee knirschen. Mein dunkelbraunes Haar klebte an meinen Wangen, die trotz der Kälte weiß waren. Die nasse Masse, die mich umgab, war schon einen halben Meter hoch, sodass ich darin regelrecht versank. Trotzdem gab ich mir Mühe, schnell voran zu kommen, vor dem zu fliehen, was gerade geschah. Schneeflocken wehten mir in das Haar und bildeten sich auf meinem Kopf langsam zu Wassertröpfchen. Diese kullerten mein Gesicht hinunter und vermischten sich mit meinen Tränen. Immer wieder schlich sich das grausame Bild in meine Gedanken, wie der grausame Vampir meinen Freund Manu mit blutverschmierten Händen auf den schon rosafarbenen Schnee fallen gelassen hatte. Ich hatte ihm sofort helfen wollen, wenn er nicht geschrien hätte, ich solle laufen und mich bloß nicht umdrehen. Ich hätte um mich geschlagen, so fest ich konnte. Hätte meinen Freund mit Händen und Füßen verteidigt. Doch all das wäre hoffnungslos gewesen. Gegen diesen Vampir hätte ich nicht die geringste Chance gehabt. Sofort hatte ich den Vampir weglocken wollen, doch dann hatte Manu diese Worte ausgesprochen. Weglaufen sollte ich, zu meiner Sicherheit, nicht zu seiner. Für ihn hätte ich nichts mehr tun können. Das hatte ich in dieser Situation eingesehen, also hatte ich seinen letzten Wunsch berücksichtigt und bin geflohen. Und seitdem lief ich. Um mein Leben. So schnell ich konnte. Nur für ihn. Für mich hatte mein Leben nun keinen Sinn mehr. Eine halbe Ewigkeit rannte ich schon. Wer weiß, vielleicht waren es auch erst zehn Minuten, aber mir kam es vor wie eine Ewigkeit. Ich hätte ihn nicht zu dem Spaziergang überreden sollen, sonst wäre er jetzt noch auf der Welt, hier, bei mir. Ganz bestimmt. Nur ich war daran Schuld, ja, ich ganz alleine. Plötzlich blieb ich stehen, hörte auf zu rennen. Langsam knickten meine Beine ein und ich lies mich zu Boden sinken. Reglos blieb ich auf dem eiskalten Untergrund liegen und lies den Schneesturm über mir toben. Verzweifelt rief ich mir Manu\'s Gesicht in Erinnerung und gab mich nun vollkommen meiner Trauer hin. Das schmerzhafte Gefühl umschlang mich, füllte meinen Kopf aus, bis ich nicht mehr klar denken konnte. Aufeinmal spürte ich meinen Körper nicht mehr. Spürte keine Kälte mehr. Spürte gar nichts mehr.
Leise fiel der Schnee auf den leblosen Körper eines Mädchens.
0 Kommentare
|