Carlie - Destiny04.06.2009
Wie jeden Morgen saß ich genervt in dem stickigen, überfüllten Bus. Neben mich hatte sich ein langer, schmaler Junge dessen ungesunde Haut mit Pickeln übersät war.Dieser unverschämte Typ breitete sich hier aus, als würde niemand neben ihm sitzen.Bei jeder Kurve lehnte er sich an mich, als ob ich ein Sitz wäre! Und obwohl der Bus nicht schon voll genug wäre, lies der Busfahrer noch mehr Leute hinein. Eine Frau mit ihrem schreienden Baby, kleine Kinder, die sich um eine Schokoladentafel stritten, und Jungs, denen es offensichtlich Spaß machte, andere herumzustoßen. All diese Leute schienen nur ein Ziel zu haben: Mir den letzten Nerv zu rauben. Wieder lehnte sich mein Sitznachbar bei mir an. Angeekelt presste ich mich an die Scheibe.
Nach einiger Zeit hatte ich diese Horrorfahrt endlich überstanden und machte mich auf den Heimweg. Ich klingelte an der Haustüre und Tante Elea öffnete. Meine Eltern sind vor zehn Jahren gestorben, da war ich erst fünf Jahre alt, deshalb konnte ich mich nicht gut an sie erinnern. Seitdem wuchs ich bei meiner Tante auf. Sie ist erst mitte zwanzig, und deshalb noch sehr jugendlich.
"Oh, hi, Angie. Komm rein, das Essen ist fertig.", sagte Elea.
Voller Vorfreude auf das gute Essen trat ich ein, denn meine Nase hatte schon am Eingang erkannt, was es gab: Leckere Kartoffeln mit heller Soße und Fleisch.
"Hallo, Angie!", ertönte Ginas Stimme von der Treppe.
Gina war meine kleine Cousine, und zusammen mit ihr und Elea lebte ich in einem kleinen Vorort von Los Angeles. Hier sahen alle Häuser und Gärten gleich aus, und sie standen immer in gleicher Reihenfolge. Mir gefiel es hier sehr gut, auch wenn es manchmal sehr langweilig sein konnte, denn ich hatte nur eine Freundin, die nicht immer für mich Zeit hatte. Ich wusste nicht, warum ich nicht mehr Freunde hatte.
Hässlich war ich nämlich nicht, eher im Gegenteil. Ich hatte dunkelbraunes Haar und meine Haut war braun gebrannt. Mit einer Körpergröße von 171cm hatte ich natürlich auch nicht gerade kurze Beine. Meine Augen waren kastanienbraun, sie passten perfekt in mein Gesicht. Elea sagte immer, dass ich mal modeln könnte, wenn ich etwas älter wäre, doch das war nichts für mich. Viel lieber wollte ich gefährliche Killer jagen. Natürlich wusste ich, dass dies überhaupt nicht infrage kam, denn Tante Elea empfand das als zu gefährlich.
Hungrig machte ich mich über die Kartoffeln und das Fleisch her, das so vorzüglich schmeckte. Vergnügt schaute mir Gina beim Essen zu. Bei jedem neuen "Happen" folgten Ginas Augen meiner Gabel. Tante Elea, die uns die ganze Zeit schon beobachtete, sagte dann leicht genervt: "Gina, man beobachtet keine anderen Leute beim Essen, selbst wenn es deine Cousine ist. Das ist einfach unhöflich."
Heftig verdrehte ich die Augen, denn ich ahnte schon, dass Gina heftig gegen Eleas Aussage protestieren würde.
"Was ist denn daran unhöflich? Ich schaue doch nur, ich fasse sie ja nicht an! Du tust so, als ob ich sie mit meinen Blicken verletzen würde!", brüllte sie mit weinerlichem Unterton. Tantchen winkte genervt ab. Sie sah keinen Sinn darin, sich mit einer Fünfjährigen zu streiten. Jetzt wandte sie sich wieder mir zu.
"Angie, ich möchte dann etwas mit dir besprechen. Iss aber erst mal in aller Ruhe."
Erschrocken starrte ich sie an. War irgendetwas passiert? Ich hoffte, nicht.
Nachdem ich die letzte Kartoffel verzehrt hatte, legte meine Tante sofort los.
"Also... In einer Woche sind ja endlich Ferien. Und da habe ich mir gedacht, dass du dich dann vielleicht sehr langweilst, da deine Freundin ja in den Urlaub fährt. Ähm, da habe ich mir gedacht, dass du eventuell... Vielleicht..."
"Nun sag endlich! Was hast du gedacht?", unterbrach ich sie bei ihrer Rede.
"Ich habe mir gedacht, dass du nach Miami fliegst und dort ein Praktikum bei der GKJ machst. Dort wolltest du doch schon immer hin. Außerdem kommen Gina und ich mit, wir haben uns schließlich auch ein wenig Urlaub verdient, denke ich."
Ich stieß den Stuhl zurück und sprang freudestrahlend auf.
"Ist das dein Ernst?! Ich darf echt dorthin?"
Sie nickte. Jubelnd sprang ich in die Luft. Schnell schnappte ich mir Gina und drehte mich schreiend vor Freude mit ihr im Kreis.
GKJ bedeutet so viel wie "genehmigte Killer-Jagd", und dies wiederrum bedeutete, dass sich gerade ein Traum für mich erfüllte. Vielleicht durfte ich sogar berühmt-berüchtigte Killer jagen! Natürlich war das sehr gefährlich, aber es war eben mein großer Traum.
"Und jetzt geh endlich lernen, Angie! Denn wenn deine Noten schlechter werden, kannst du das alles gleich wieder vergessen."
"Na klar, Tantchen!", sagte ich.
"Und nenn mich nicht immer Tantchen!", rief sie mir hinterher. Doch da war ich auch schon in meinem Zimmer verschwunden.
Fortsetzung folgt, das war erst ein mickriger Anfang! :)
Paulina-Chevonne Ich finde es super!
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