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kooperative Geschichten

Sonnenfleck - Kalle ist tot!

24.06.2009

Kalle ist tot!

Das Stück spielt in einem kleinen Stadtteil einer Großstadt.
Fünf Damen und fünf Herren zwischen 40 und 50 befinden sich auf der Bühne.
Die Herren stehen um einen Grill herum, die Damen sitzen an einem Gartentisch, beladen mit Geschirr, Salaten und Grillsoßen.
Später stößt noch ein Pärchen dazu.
Im Folgenden werden die Figuren nur mit ihren Anfangsbuchstaben genannt.
Marlies (50) aus Berlin, sie trägt eine Designerbrille und ist auch sonst recht aufgedonnert,
Beruf Hausfrau, verheiratet mit Heinz, zwei erwachsene Söhne.
Doro (42), Erzieherin, Typ alternativ, zusammen mit Josch, eine Tochter aus einer früheren Beziehung.
Barbara (49), gepflegt, aber chaotisch, Putzfrau, kinderlos, verheiratet mit Oliver.
Gisi (45), chic, nicht sehr intelligent aber mit Herz, zwei Teenie-Töchter, verheiratet mit Jan.
Tanja (43), ein bisschen bieder gekleidet, verheiratet mit Thorsten, eine17 jährige Tochter und einen 5jährigen Sohn.

Später kommen noch Sabine (40), ganz normaler Durchschnittstyp, und Lothar ihr Mann dazu.

D: Kalle ist tot.
M: Wat?
B: Wer?
G: Ach Gott!
T: Welcher Kalle?
D: Na, Kalle Gärtner.
M: Kenn ick nich.
B: Nee?!
G: Der Hausmeister von der Hauptschule!
M: Sach ick ja, kenn ick nich. Meine Beeden sin ja uffs Jymnasium.
T: Natürlich kennst du den.
D: Eben! Von der Benefiz- Veranstaltung letztes Jahr.
B: Ja genau.
M: Pff. Sacht mir nüscht.
D: Marlies, der hat die Rede gehalten.
M: Da war ick uff Klo.
T: Haha, ne halbe Stunde lang oder was.
M: Wat weeß icke.

G: Woran ist er denn gestorben?
T: Bestimmt Krebs. Der war ja noch nicht alt.
B: Ja, glaub ich auch. So jung stirbt man nur, wenn man Krebs hatte.
D: Nee, nee, der hatte kein Krebs.

M: Sach mal, hat der nich seine Frau verlassen?
G: Soviel ich weiß, hat sie ihn verlassen.
T: Ja, die hatte dann doch nen Anderen.
B: Er hatte ja dann auch wieder jemanden.
M: Hatter die nich jekooft.
D: Bitte?
M: Gekauuuuuft.
B: Ich versteh nicht.
M: (verdreht die Augen und stöhnt)
Die ist doch Asiatin, oder nich.
D: Marlies, die ist Deutsche.
M: Ick bin doch nich behämmert.
B: Sie ist Deutsche, asiatischer Abstammung.
M: Wat heeßt det schon.
T: Das ist ähnlich wie bei dir Marlies. Du bist ein Mensch vom Affen abstammend.
(Gelächter)
M: Nu hör abber uff.

B: Woran ist er denn nun gestorben. Oliver sagt ja, er hätte gesoffen.
Wahrscheinlich hat der Suff ihm den Garaus gemacht.
T: Nee, der hat nicht gesoffen.
M: Soll sich ja auch nicht um sein Kind jekümmert haben.
D: Mensch Leute, nachdem sie ihn verlassen hat ist er ein bissel abgestürzt, aber als er sich dann um seine Tochter kümmern musste, weil die nicht mehr bei ihrer Mutter leben wollte, hat er sich ganz schnell wieder zusammen gerissen.
M: Mir erzählt ja auch keener wat.
G: Ich habs dir erzählt.
M: Wat du schon erzählst. Als hätt dat je Hand und Fuß jehabt. Kannst ja nich ma uff drei zählen.
(Keiner außer M lacht)

T: Mich würd es nicht wundern, wenn er sich bei einem Motorradunfall das Genick gebrochen hätte, so wie der immer gefahren ist.
G: Das Motorrad hat er verkauft, als seine zweite Tochter zur Welt kam.
M: Die Behinderte?
B: Das kommt vom Kiffen in der Jugend. Oliver sagt, Kalle hätte früher gekifft. Und dass das die Gene verändert, weiß man ja.
D: Da muss ich dich enttäuschen Barbara, aber die beiden standen im Stau, als das Kind kommen wollte. Da hat sich die Nabelschnur so um den Hals der Kleinen gewickelt, dass das Gehirn zu lange unterversorgt war.
M: Jib mal noch von dem Rotkrautsalat rüber.
Wie haste den jemacht Doro?
D: Glas auf, Inhalt in eine Schüssel, Gewürze, fertig.
M: Ick mach ja Rotkraut immer früsch, sonst essen dat meine Jungen nich.
Stimmts Heinz.
H: Stimmt, was?
M: Ihr esst alle nur frisches Rotkraut.
H: Mir doch egal.

M: Sach ma, wo is eigentlich diese Sabine?
D: Kommt später.
G: Ist ihre Kleine denn schon aus dem Krankenhaus raus.
T: Ja, ich hab sie schon vor ein paar Wochen beim Einkaufen gesehen.
B: Ist ja alles gut verheilt, wie es aussieht.
M: Mensch, ick kann es nich mehr hörn.
Seit Wochen nur ein Thema. Die wollte doch erst die Adresse von meinem neuen Friseur, als ick ihr dann berichtete, hört die mir jarnich zu. Erzählt pausenlos von der Tochter und wat die allet jemacht ham. Nee, mit der kannste nich mehr vernünftig reden.
G: Also, naja. Nach dem Unfall damals in der brennenden Scheune. Das sah schon nicht so gut aus.
D: Da hat sie echt Glück gehabt.
M: Die Sabine hat doch ooch so Probleme uff Arbeit. Kommt mit ner Kollejin nich aus.
Kann ick verstehn, wenn die immer nur von sich quatscht. Wir verdienen schließlich unser Jeld nich im Schlaf.
T: Du bist da ja der Experte, nicht Marlies.
M: Sach ma Barbara, wo hast du denn die Fingernäjel machen lassen.
B: Hat Tanja gemacht. Chic nicht.
M: Ja wenn man uffs Jeld guggen muss.

G: Was ist denn nun mit Kalle?
M: Der hat doch immer so Probleme mit der Polente jehabt. Die waren doch ständich bei ihm.
D: Nee die haben doch zusammen gearbeitet.
M: Ich denk der war Hausmeester.
G: Ja und privat hat er sich noch für Jugendliche engagiert.
T: Das fand ich ja klasse, die Idee mit dem Verein.
M: Achja, dat Schtrieetdingsda.
B: Street Works, daher war auch die Benefizveranstaltung.
M: Dat Clubhaus is ja direkt in unmittelbarer Nachbarschaft.
Da war wat los. Watte da zu sehen bekommen hast.
D: Jetzt sag bloß, du bist da immer raus, um die Ecke und durch Nachbars Garten. (Lacht)
M: Bin ick nich.
G: Hast du mir nicht erzählt, du hättest die Polizei gerufen, wegen unsittlichen Benehmens, Marlies.
T: Ja genau, Thorsten, nicht, Marlies hat euch auf der Wache angerufen.
(Thorsten winkt ab.)

Josch: So, bitte sehr meine Damen. Eure Steaks und Würstchen.
B: Nein danke, für mich nur Salat.
T: Machst wohl wieder Diät.
B: Ach, ich hab ja so zugenommen.
(Marlies tippt sich an die Stirn)
T: Mir hast du doch erzählt, du hättest so abgenommen, seit deine Schwester so krank war.
B: Stimmt doch gar nicht.
M: Also icke find dich zu rappelich.
B: Du könntest auch mal weniger Kuchen essen.
M: Na dat überlassen Se mal mir junge Dame.
G: Ich finde ja auch, dass das alles nicht gesund sein kann. Einseitige Ernährung, Untergewicht und dann noch Sport, Sport, Sport.
B: Mein Arzt sagt, es wäre toll wie sehr ich auf mich achte.
M: Wer, der Seelenklempna?
D: Sag mal, hast du nicht erzählt, du arbeitest Vollzeit. Also ich krieg sowas ja noch nicht mal Teilzeit auf die Reihe.
B: Ja die viele Arbeit ist schon ein Problem, ich will jetzt auch kürzer treten.
M: Also, wenn ick dich besuchen will, biste nich da.
B: Ich hab halt auch mal frei.
M: Letzte Woche warste jeden Tach früher weg, sacht deine Kollegin.
T: Was wollteste denn von Barbara.
M: Wollt mal wieder von dem Putzmittel mit nehmen.
D: Bitte? Das ist doch Diebstahl. Dafür können sie Barbara fristlos feuern.
B: Nee, nee. Das ist alles mit meinem Chef abgesprochen.
G: Ich weiß, dass du dafür den Personalrabattausweis von Marlies Sohn bekommst.
D: Tststs. Ihr seid ja Früchtchen.
M: Sowat macht doch jeda.
D: Also, ich nicht. Nee.
G: Ich lieber auch nicht. Das würde jeder gleich sehen, wenn ich betrügen würde.

M: So, Mädels muss mich mal erleichtern.

G: Hast du immer noch so nen Ärger mit der Nachbarin, Tanja?
T: Ach, hör mir bloß mit der auf. Ich glaube, die hat nichts Besseres zu tun, als uns zu beobachten.
Thorsten: Geht es schon wieder um die Tussi über uns?
G: Ich hab gefragt, Thorsten, lass mal.
B: Deine Nachbarin geht mit mir ins Fitness-Studio. Ich find die ganz nett.
T: Jo. Neulich klingelts um halb Acht an der Tür. Meine Große macht auf. Steht die da, mit Lockenwicklern und blauem Bademantel. `Entschuldigung, haben sie ein elektronisches Dartspiel? ` `Nö, ` sagt meine Tochter. `Wieso, brauchen Sie eins? `
`Nein, aber da piept ständig was. ` Meine Tochter hat sich heute noch nicht von dem Anblick erholt.
D: Das einzige was piept, scheint sich in ihrem Oberstübchen abzuspielen. Haha.

T: Ich versteh schon, wieso ihr Mann jede Nacht zum Angeln geht.
(Marlies kommt zurück)
M: Um wat jeht`s?
D: Ums Angeln, Marlies.
M: Heinz jeht jeden Amd zum Fischen.
T: Ach.
G: Oh.
B: Ach.
D: Nee, echt?

G: Sag mal, Doro, du weißt doch woran Kalle gestorben ist?
M: Nu jeht dat widda los.
D: Ja, weiß ich, aber ich komm ja nicht dazu, euch zu erzählen.
(Es klingelt)
M: Es hat jeklingelt.
B: Ja, ich hab es auch gehört.
T: Echt, ich hab nix gehört.
G: Doch. Es hat geklingelt.

(Doro geht ins Haus, um die Tür zu öffnen. Zurück kommt sie mit Sabine und Lothar.)

M: Saaabine. Na dat is ja schön, dat du noch kommst.
G: Hallo Sabine, setz dich zu mir.
T: Sabine!!! (Bussi links, Bussi rechts).
B: Hi, Sabine.

( Die Männer nehmen Lothar in ihre Mitte.)

M: Wie jeht et der Kleenen?
B: Hat sich ja gut erholt.
T: Sieht man fast gar nix mehr.
G: Ich bin so froh, dass ihr das überstanden habt.
M: Wo warst du. Haben schon so lang uff dich jewartet.
B: Ja, die Steaks sind schon kalt.
D: Ess erst mal was.
S: Ich war auf der Trauerfeier von Kalle.
M: Ach, standet ihr euch nahe.
S: Ihr wisst es nicht?
M: Watten.
T: Öh.
S: Kalle hat meiner Tochter das Leben gerettet. Dadurch erlitt er schwerste Verbrennungen, denen er vor drei Tagen erlegen ist.
B: (heult) Er war so ein guter Mensch.
T: Nie hörte man etwas Schlechtes über ihn sagen.
M: Wieso sacht mir nie irgendjemand irgendwat?
Da geh ick morjen gleich nen Kranz binden lassen. Also sowat.
Hörste Heinz, Kalle hat Sabines Tochter jerettet. Und jetzt isser tot, der Gute.
H: Weeß ick.
M: Na komm du mir mal Heeem.

Ende


Carlie
Hallöchen! Ich freu mich schon, wenn es neue Geschichten gibt! Wenn du möchtest, kannst dir auch mal meine Geschichten durchlesen und ein Kommentar schreiben, ich hab nämlich noch gar keine Kommentare! Ich würde mich sehr freuen! :)