Rebecca - Jede Stunde mit dir31.01.2007
Es war wunderschön, deine sinnliche Stimme zu hören. Sie war so warm und freudig. Ihr Klang ist noch immer so unglaublich erotisch und liebevoll. Seit längerer Zeit hatten wir nichts mehr voneinander gehört und dennoch klopfte mein Herz wie wild, als ich den Klang deiner Stimme am Telefon vernahm.
Jahre waren inzwischen vergangen. Als wir zum ersten Mal miteinander telefonierten, war ich aufgeregt, wie ein kleines Schulmädchen und ich weiß, dir ging es wohl auch nicht anders. Ich war so aufgeregt, schweißnasse Hände schlossen sich um den Hörer und das Lächeln auf meinem Gesicht wuchs zu einem Lachen heran, das nicht zu unterdrücken war. Ach Gott, wie lang ist es her...
Unser erstes Treffen... Daran muss ich heute noch denken. Es war ein sonniger Augusttag. Ich glaube es war ein Freitag. Ich putzte und schrubbte die Wohnung blitzblank, denn der erste Eindruck zählt ja für gewöhnlich. Wie habe ich mich auf dich gefreut und ich konnte es kaum abwarten, bis du endlich klingelst. Dann war es soweit. Du klingeltest an der Haustür und hättest mein Herz bis dorthin hören müssen.
Mir einem Strauß kleiner Tulpen standst du vor mir, wie ein zu groß geratener Schuljunge. Mit wunderschönen grünen Augen, die so viel Sanftmut ausstrahlten, wie ich sie nie wieder sah.
Schüchtern und Zurückhaltend begrüßten wir uns. Wir reichten einander die Hände. Keiner von uns beiden wollte den ersten Schritt machen.
Wir saßen lange auf dem Balkon, nachdem wir gemeinsam zu Abend gegessen hatten und konnten uns einander vor lauter Verlegenheit nicht in die Augen sehen. Ich blickte ständig zu den Nachbarn und du auf die halbvollen Wassergläser, sobald sich unsere Blicke trafen. Eine unglaubliche Spannung lag in der Luft und dabei hätte ich dich zu dem Zeitpunkt schon wahnsinnig gerne geküsst. Wie eine Befreiung erschien es mir, als wir dann gemeinsam einen kleinen Spaziergang machen wollten. „Vielleicht auch in ein Eiskaffee“ hattest du damals gesagt. Du hast mir meine Handtasche gereicht und ich wollte sie ergreifen.
Wie zufällig berührten sich unsere Hände und langsam kamen wir uns näher. Der Beginn einer unvergesslichen Nacht!
Am nächsten Morgen saßen wir schweigend am Küchentisch, unfähig miteinander zu reden. Irgendwie war es auch nicht nötig einander Dinge zu sagen. Alles war gesagt. Doch deine Hand hielt sich an meiner fest. Stundenlang!
Abschied. Irgendwann kam die Zeit. Du musstest gehen und ich spürte die Verzweiflung in mir, dich nicht halten zu können.
Du warst fort und der Kummer begann...
Nächtelang telefonierten wir und diskutierten Probleme. Stück für Stück kam heraus, dass du Angst vor einer festen Bindung hast. Selbstvorwürfe machten sich in dir breit, weil du neugierig genug warst, mich zu besuchen. Mich kennen zu lernen! Ich erkannte stumme Verzweiflung in dir. Zu viel hattest du schon verloren, als dass du dich auf eine neue Beziehung hättest einlassen können.
Schmerzen und Tränen waren die Folge...
Ich konnte dich nicht einfach aufgeben. Wollte nicht ohne einen letzten Versuch zu starten das Feld räumen. Ich fuhr zu dir. Die Fahrt dauerte lange. Mir war es als dauere sie unendlich lang. Tatsächlich waren es nur zwei Stunden. Dennoch zwei Stunden Herzklopfen...
Und das für ein paar Tage mit dir!
Wundervolle Stunden, in denen wir gemeinsam aßen, lachten und uns liebten.
Stunden, in denen uns ein Band umschloss, dass uns für den Rest unseres Lebens verbinden wird, ganz gleich was wir tun.
Ich sehe dich noch genau vor mir, als du mich zum Bahnhof brachtest, kaum fähig mich auf den Bahnsteig zu begleiten, mir noch meine Koffer tragen zu helfen und mir noch ein letztes mal einen Kuss zu geben. Wütend auf den bevorstehenden Abschied und auf deine Unfähigkeit eine Zukunft mit mir einzugehen. Und doch liebtest du mich. Ich habe mich nie in dir getäuscht.
Nein - deine Augen logen nicht.
Danach war es weder leichter noch schlimmer. Doch wir drifteten auseinander. Die Entfernung unserer Wohnorte machte uns zu schaffen und mir machte diese verdammte Ungewissheit üble Sorgen. Ich beendete die Beziehung gegen mein Herz.
Ich schlief mit einer nie gekannten Trauer ein und wachte mit zerrissenem Herzen morgens auf. Es war vorbei! Ich hatte es geschehen lassen.
Sonnenschein und blauen Himmel ertrug ich nicht. Die Musik, die wir gemeinsam hörten, trieb mir Tränen in die Augen und immer wieder hatte ich die Bilder unserer gemeinsamen Stunden vor Augen. Und ob mir das jemals jemand glauben wird, ich sah zu dieser Zeit noch nie so viele liebende Pärchen wie in diesen schweren Monaten.
Einsamkeit war nie mein Ding gewesen. Ich wollte wieder Spaß haben. Wollte wieder aufblühen. Ich stürzte mich in verschiedene Beziehungen, keine mit der unseren vergleichbar. Mein Herz war nicht frei für einen anderen Mann.
Zwischendurch hatten wir immer mal wieder Kontakt. Die Sehnsucht nach dir wurde wieder größer, aber deine Angst war nicht besiegt. Es hatte keinen Sinn, länger darauf zu warten, dass wir eines Tages zusammen kommen. Ich begriff sehr langsam.
Gestern hörte ich deine Stimme und unser Gespräch dauerte Stunden. Stunden, in denen wir wieder gemeinsam von der Zukunft träumen. Hand in Hand und schweigend...
Nadia Kompliment an dich! Das ist sooo super! :D
|