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kooperative Geschichten

Rebecca - Memphis

31.01.2007

Gedankenverloren saß Klara am Strand. Die Schönheit und die Endlosigkeit des Wassers sog all ihre Aufmerksamkeit ein. Der kalte Sand unter ihr, mit Blick auf die untergehende Sonne zauberte ein müdes Lächeln auf ihre Lippen. Heftig brachen Wellen an steinigen Widerstand und wehten vergangene Zeiten in das Gedächtnis. So einsam die Bucht in den letzten Stunden des Tages war, so war Klara doch immer noch ruhelos. Die Bucht war damals schon traumhaft schön gewesen. Hier hatte sie gelernt, ein tapferes Mädchen zu sein. Der Traum einer Vergangenheit ließ ihr alt gewordenes Herz pulsieren und sich krampfhaft zusammenziehen.
Dieser Tagtraum, der doch Wirklichkeit war, brach in ihr aus und riss sie mit

Verloren in Gefühlen trat Klara den Weg zu ihrem Strandhaus an. Ihr Strandhaus. Ja, es war ihr Eigen. Vor langer Zeit, wurde es ihr als Geschenk vermacht. Mit viel Grausamkeit und purer Kälte hatte sie es sich selbst geschenkt. Die Besitzer, hetzend dazu gebracht die Schenkungsurkunde auszustellen um sie dann hilflos in ihr ewiges Grab zu begleiten.

Kleine Fußabdrücke hatten sich in den nassen Sand gedrückt. Klara bemerkte es achtsam und bückte sich hinab, um die Tapper genauer zu erkennen. Sie sahen wie Füßchen eines kleinen Hundes aus.
Die Fußabdrücke führten geradewegs ans Ende der Bucht. Nahe ihres Hauses kauerte ein kleiner Terrier an der Treppe. Er verkroch sich zitternd bis ins hinterste Eck, als er in die leeren Augen von Klara blickte.

Klara sah ihn nicht, aber sie spürte seine Angst, kannte seine hilflosen Gedanken.
„Hat man dich ausgesetzt kleines Hündchen? Du kannst ruhig herauskommen, ich tu dir nichts.“
Lange blieb der Hund im Eckchen sitzen und kam nicht hervor.
Klara konzentrierte sich und wühlte in den Gedanken des kleinen Hundes. Fetzen seiner Vergangenheit glitten an ihr vorbei und sie sah sein kleines Leben im Zeitraffer vorbeifliegen.
„Memphis! Bitte, ich werde Dich mit in mein Haus nehmen. Dort ist es warm. Das verspreche ich Dir. Du willst doch nicht etwa ein kleiner dummer Hund sein, der hier draußen erfrieren will. Ich kann Deine Trauer verstehen, es war nicht richtig von der Familie Dich auszusetzen, nur weil Stella ein neues Haustier haben wollte. Ich sorge mich um Dich!“
Klaras ehrliche Worte drangen bis zu den Ohren des kleinen Memphis, der es nicht glauben konnte, dass die seltsame Frau so viel von ihm wusste.
Er konnte ihr keinen Glauben schenken. Oberflächlich war sie wunderschön und doch war etwas seltsames an ihr. So jung und doch schon älter als jeder Mensch den er je gesehen hatte.
Doch Memphis war schwach! Er torkelte mit den letzten Kräften, die er nach seiner tagelangen Reise noch aufbringen konnte, hervor.

Memphis erholte sich nur schwer, was Klara Sorgen bereitete. Sie empfand Mitleid mit dem jungen Tier und konnte die Grausamkeit seiner Besitzer in seinen trüben Augen erkennen. Er hatte nach ein paar Monaten für die 8-jährige Stella an Interesse verloren. Sie wollte statt Memphis lieber einen Hamster, der ihr viel süßer erschien. Der Hund wurde kurzerhand ins Auto gepackt und ausgesetzt. So viel Leid in den wenigen Monaten seines Daseins.
Als sie selbst einst hilflos in einer Ecke kauerte half ihr keiner der vielen Menschen. Sie wurde gedemütigt, geschändet und geschlagen. Das hübsche Mädchen, war nichts wert gewesen in den Augen der vielen Männer.

Zurück in der Vergangenheit bebten die Bilder durch ihren Kopf:
Sie hörte das wilde Lachen und spürte die gierigen Blicke der hungrigen Männer auf sich.
Damals waren die Ohren ihrer Eltern taub und ihre Augen blind!

In den Tagen in den ihre Schönheit von Tag zu Tag reifer wurde, waren die Stunden ihres 15ten Geburtstages nicht mehr fern. Als einfaches Mädchen armer Händler, war sie sehr begehrt. Aber nicht als Hochzeiterin, sondern vielmehr als Mädchen für Alles. Schon vor ihrem 14ten Geburtstag waren Männer mit glänzenden Silberlingen gekommen, um sie von ihrer Familie loszukaufen. Ihr Vater hatte sich damals geweigert! Wohl wegen der Moral, die er zu damaligen Zeiten noch besaß. Doch nun, war das Geld knapp. Geld war nun Moral!
Schließlich kam der Tag der Tagundnachtgleiche! Am jährlichen Markt wurden Mädchen zur Hochzeit feil geboten. Klara bewegte sich verständnislos in der Menge und blickte auf die traurigen Gesichter der jungen Mädchen die auf einen kleinen Podest standen. Hübsche Kleider verbargen die rundlichen Körper und tiefe Hüte verschleierten die brackigen Gesichter. Männer wählten klug in diesen Tagen. Schönheiten konnten sie sich andernorts kaufen oder rauben, aber eine reiche Frau gab es erst wieder zur nächsten Tagundnachtgleiche.

Klara kannte die Namen der Männer nicht, die sie hilflos auf dem Nachhauseweg in eine dunkle Gasse zogen. Ihre Eltern starr vor Schweigen!
„... 50 Silberlinge, damit du mal wieder was zwischen die Zähne bekommst, alter Mann. Sei kein Dummkopf und nimm sie!“
Klaras Vater antwortete nicht, sondern nahm den Beutel und starrte auf seine magere Frau. Langsam gingen sie ohne Klara davon, konnten sich aber nicht sofort des Blickes abwenden. Wohl noch ein Rest elterlicher Liebe!
Die Augen der Mutter sahen, wie ihrem Kind die Kleider vom Leib gerissen wurden, sie mit geballten Fäusten zur Ruhe gezwungen wurde und machtlos einer viel kräftigeren Gruppe wildgewordener Männer gegenüberstand. Die Eltern gingen rasch aus der Gasse und ließen das stumm schreiende Mädchen, begraben unter den männlichen Körpern, in ihr Schicksal gleiten.

Der Anfang war getan und Klara brachte sich mit Hurerei durch den schlimmen Winter. Einer der jungen Männer nahm sie mit auf seinen Hof und stellte sie sich als Magd ein, wobei sie nach der Arbeit meist noch ihm alleine dienen musste. Und das war ihr Schicksal... Doch von wem wurde sie in diese Hände gedrückt? Ihre Eltern hatten ihr immer gesagt: Kind du kannst alles schaffen wenn du willst! Du musst nur fest daran glauben, vertraue Niemanden. Du wirst immer Alleine sein. Wachse an Dir selbst!“
Und nun wusste sie, dass die Worte wahr waren. Nicht einmal ihren Eltern hätte sie vertrauen dürfen. Sie wurde leer und stumm und ließ den Mann zu jeder Stunde über sie walten. Irgendwann würde sie den Mut aufbringen um zu fliehen, doch der Tag war noch fern. Die Tage verstrichen und teilten ihr Leid aufs neue mit Klara. Nie konnte sie alleine eine Flucht zuende führen! Immer wurde sie ertappt und dafür mit weitaus schlimmeren Taten beschmutzt als sie sich je hätte Träumen lassen.

Was Klara dieser Tage nicht wusste war, dass es jemanden gab, dessen Aufmerksamkeit sie zu jeder Stunde hatte. In jeder Nötigung, in jeder grausamen Schändung ruhten die Augen eines Wesens auf ihr, die nur darauf warteten, den Zeitpunkt ihres Zusammentreffens zu erleben.
Dieser jemand würde ihr Meister sein. Ein kühner Mann, mit Macht und Kraft! Alt und Jung zugleich!

Memphis atmete tiefer und ruhiger. Er kam zu Kräften und besonn sich eines fröhlicheren Gemüts.
Klara war sich bewusst, dass der hübsche Memphis nicht immer bei ihr bleiben konnte und doch war sie sich auch sicher ihn eines natürlichen Todes sterben zu lassen. Was hätte es für einen Sinn gehabt ihn auf ein ewiges Leben zu dressieren. Ihrer eigene Habgier wollte sie nicht den Gefallen tun und Memphis beißen. Es hätte geklappt, sie wusste es, aber Memphis hätte sich ins negative verändert. Er wäre doch nur eine Marionette im Spiel von den Menschen und der Dunkelheit.

So lebten sie bis der Tag gekommen war und sie lies Memphis gehen. Ihm zu Ehren legte sie ihn an seinen Lieblingsplatz des Strandhaus und entzündete in einsamer Verzweiflung Feuer. Es war die einzige Möglichkeit die Vergangenheit ruhen zu lassen. Das Haus war alt und verwittert. Es wäre sowieso die kommenden Jahre eingestürzt. Und Memphis hatte für immer ein zuhause.

Auch heute noch kommt Klara oft an die Bucht und spielte mit den Füßen im Sand. Neben ihr die Fußabdrücke des kleinen Terriers, der wie ihr scheint, wie wild am Strand tobt und sich in einer anderen Welt freuen darf.

Sie hatten an jenem Tag etwas gefunden, das viel mehr wert war, als alles was sie je besaß. Die Erkenntnis alleine, dass Menschen grausam sind! So grausam wie es auch Wesen der Nacht sein können.

Und des Nachts schließt Klara ihre Augen und kann doch sehn.
In der Dunkelheit verschwindet sie schwebend und läst nur erahnen welch Wesen sie ist!


Harald
Hallo, die Geschichte finde ich gut. Mir gefällt die Wortwahl. Mir gefällt der Aufbau. Man kann das Bild sehen, wenn man es gelesen hat. Ich finde gut, dass es Absätze gibt, in der Geschichte. Ich mag nämlich Leerzeilen. Es ist gut, dass es kurze Sätze gibt. Sehr kurze, vielleicht auch nur Einwortsätze. Und auch längere Sätze, die mehr Gestalt entwickeln können. Nur "welch" (wegen "Kelch") am Ende vor Wesen gefällt mir nicht so gut wie "welches", da reimt sich nicht so viel drauf.