Geschichten, Gedichte, Kurzgeschichten, Lyriks
 
kooperative Geschichten

Julia - Abendgang

29.06.2010

Kapitel 1
Der Himmel war in alle möglichen rot-orange Töne getaucht, und in der Ferne stieg das viollet, um die Farbenpracht zu verjagen und gegen Dunkelheit zu ersetzen. Die Wolken schimmerten blau-viollet und schienen wie kleine, blaue Schaumkronen, die über das Himmelsmeer zogen.
An diesem Prachtvollen Abend saß ich auf der Bank am Hafen und bewunderte diese Schönheit. Einige am Heck verkalkten Schiffe streiften über das Wasser, und hinterließen schäumige Wellen, die sich wenig später auflösten. Ich stand langstam auf, um in Richtung Strand zu schlendern, wo in der Nähe das Haus meines Vaters stand. Solange ich die Uhr und dieses im Blick hatte, würde ich keinen Stress haben.
Mein Vater erwartete, das ich um neun zu Hause war. Jedoch würde er bestimmt nicht ausflippen, wenn ich ein wenig später erscheinen würde. Ich ging los.
Angekommen, setze ich mich auf den trockenen Sand, unter einen der Strohschirme, die tief in den Sand befestigt waren, und schaute auf das türkis-blaue Meer hinaus.
Plötzlich hörte ich Schriite hinter mir, doch ich drehte mich nicht um. Warscheinlich ein Abendjogger, dachte ich. Aber er joggte nicht, er ging, unds zwar genau auf mich zu. Plötzlich stand er neben mir. Ich sah kurz auf, als er fragte: "Darf ich mich hier hinsetzten?" und nickte. Er setzte sich in den Schneidersitz und lächelte in sich hinein. Er sprach Spanisch, wie die meisten hier. "Es ist schön, oder?" fragte er. Mir war nicht klar, ob er das Meer oder den Abend meinte, ich nickte nur.
Er hatte dunkelbraunes, beinahe kurzes Haar, das ihm bis zum Ende des Halses reichte. Er war schlank, muskulös und gut aussehend, sodass ihm das weiße T-Shirt und die knielange, olivbraune Hose wie angegossen stand. Er war barfuß, und was mir noch auffiel, war sein dunkler Teint.
"Wie heißt du?" fragte er. "Kim" antwortete ich knapp. Ich wollte nicht zu viel verraten. "Und bin, sechzehn, falls was ist." Ein kurzes Schweigen herrschte, dann antwortete er: "ich heiße Luis, und bin neunzehn.Schönes Spanisch!"
Na immerhin, ich beherrschte fünf verschiedene Zeitformen, mehr als tausend Vokabeln und ein spanisches Wörterbuch, und an Aussprache mangelte es mir keineswegs. Das Kompliment stand mir zu. "Danke" murmelte ich.

Luis dah in ihre smaragdgrünen Augen, diese wunderschönen Brillianten, die im letzten Schein der Sonne glänzten. Ihr walnussbraunes Haar, so bezaubernd und schön wie Seide, und ihre fein gerundete Nase, ihr unwiderstehlicher Mund... All das verfluchte ihn dazu, brennende Zuneigung für sie zu entfachen.
Kim...

Ich schaute ihn an, er mich, und unsere Blicke verharrten, bis vom Meer das Dröhnen eines Schiffes zu hören war, wir beide sahen auf und Luis winkte ihm zu. "Ähm, bist du eigentlich oft hier?" fragte ich ihn. Obwohl ich ihn kaum kannte, schien es so, als wäre unsere Begegnung eine halbe Ewigkeit her. "Hm, durchaus." meinte er verlegen. "Kommst du morgen vielleicht wieder hierher?" fragte ich, und machte schöne Augen. "Vielleicht." meinte er und beugte sich leicht über mich.
Fast hätte ich ihn berührt, aber leider nur fast. Zu schade, dachte ich auf dem Weg nach Hause. Ich schaute kurz auf meine Armbanduhr. Ich war eine halbe Stunde zu spät. Doch das war jetzt alles andere als wichtig.

0 Kommentare