R - Pessimist18.09.2010
Ich? Wer ich bin? Niemand von belangen, wie ich seit Jahren von mir behaupte. Doch seit kurzem sollte sich das ändern. Alles war bestens, erst vor ein paar Wochen hatte sich alles geändert. Der Stress den ich einst zuhause mit mir herum trug war Schnee von Gestern. Alles war super, sogar die Kleinigkeiten die sich mir in den Weg legten sah ich rechtzeitig genug um sie nicht weiter als Hürde sehen zu müssen.
Was geschehen ist? Na ja, ich bin ausgezogen, weit, weit weg von der Hölle wohne ich nun. Was die Lebensqualität natürlich rasend schnell anhob. Nur ein winziges Manko schwirrte durch den Raum der Leere. Welches fragst du dich sicherlich, nun ja die Antwort liegt im vorhergehenden Satz: Leere, aber nicht nur Leere machte mir das sorgenlose Leben welches ich begonnen hatte schwer. Nein schon am ersten Morgen plagte mich nicht nur die Leere sondern auch ein guter bekannter von ihr, die Einsamkeit. Das muss man wohl erst einmal schaffen, alleine in einer Millionenstadt zu sein, aber so etwas war für mich noch nie ein Problem gewesen.
Glaub mir, der erste Morgen ist der schlimmste, danach gewöhnst du dich an die Einsamkeit, sie wird dein ständiger Begleiter, aber keine Angst, so einsam, dass sogar die Einsamkeit verschwindet wirst du niemals sein. Die Freunde die mir den ersten Abend versüßten, verdarben mir den Appetit auf den folgenden Morgen und die folgenden Tage. Damit sollte es aber noch nicht enden.
Wieso? Wenn du das tatsächlich wissen möchtest, dann werd' ich wohl weiter berichten müssen.
Die Gemeinsamkeiten dieser Welt verbinden einzelne Individuen mit unsichtbaren Banden, welche auch ich noch nie gesehen habe. Aus irgendeinem unersichtlichen Grund befand ich mich eines Tages im Zug, ich fuhr Stundenlang, starrte in den Himmel und sah fasziniert zu wie sich eine Ebene hinter der anderen versteckte, mal waren die Wolken, mal die Sonne im Vordergrund. Mal war ein Feld in Schatten gehüllt und mal sah man es golden glänzen. Die Leute im Zug sahen einander an und sobald sich ihre Blicke trafen flohen sie voreinander ins Nichts. Das Nichts, Gleichgültigkeit, Leere, Einsamkeit ich denke diese Dinge waren die Essenz aus der ich bestand. Ich? Wer ich bin? Zu diesem Zeitpunkt ein Niemand, ein unwichtiger Nebencharakter in den Geschichten anderer.
Ich stieg aus dem Zug aus, sah mich um und fand in der Menge aus Zombies nur ein einziges bekanntes Gesicht. Die Zigarette dachte einen Augenblick lang nach bis sie sich entschied sich in Rauch aufzulösen. Ob die Zigarette denken kann? Schon mal drüber nachgedacht wie viele Menschen es gibt die tatsächlich denken? Denken können? Da kann das wohl noch eher eine Zigarette als die Menschheit. Ehe ich mich versah saß ich wieder in dem selben Zug, den Rauch noch vor Augen als wäre er nie verschwunden.
Ein seltsamer, unbekannter und unnötiger Nebencharakter meines Lebens sagte einst, „Das Leben ist eines der härtesten.“, was sich schon oft als wahr herausgestellt hatte. Aber das mein Leben das für mich härteste, was ich je erleben sollte sein würde hatte er mir verschwiegen. So leicht ist es mir noch nie gefallen die Tasten zu drücken, aber das liegt wohl daran, das die Situation und du unbedeutender Leser, es wohl voraussetzen.
„Die Fahrkarten bitte!“ - das Gespräch mit einer der wenigen Personen die zumindest Zeitweise in Farbe durch mein Leben lief wurde abrupt unterbrochen, nur damit die Kontrolltörin schnell weiter konnte um andere unwichtige Gespräche zu stören. Der Sinnlose Nebencharakter der mit im Abteil saß zückte seine Fahrkarte erst spät, die Karte schien schwer zu finden zu sein – immer diese armen schwarz-weißen Nebencharaktere, irren farb- und freudlos durch die Welten anderer.
Dieses mal verließ ich den Zug nicht alleine. Ja, der nicht ganz so unwichtige Charakter in Farbe folgte mir. Was wohl damit zusammenhing, das wir das Wochenende zusammen verbringen sollten.
Ein paar weitere Stunden später stiegen wir aus einem Lieferwagen aus, die Teller auf der Ladefläche hallten weiter in meinen Ohren. Ein wunder das sie während der fahrt nicht zerbrachen.
Da war ich nun, mitten auf einem Acker. Begrüßen, kurz herum sitzen, Zelt aufbauen. Das nächste woran ich mich erinnere war der Schlafsack am nächsten Morgen, gut geschlafen hatte ich nicht, aber das kann man wohl auch nicht von einer Nacht auf einem Festival erwarten. Der Acker war grau, unwichtig, nicht wie das Zelt was vor Farben nur so leuchtete. Ich drehte mich zur Seite und sah den Hauptcharakter dieser Geschichte. Ja, die Farben kamen daher.
Uns verband das Schicksal mit unsichtbaren Banden, welche ich dummerweise nicht sah. Was dazu führte das ich heute davon aus gehe das ich mich wohl darin verknotet habe. Was soll's, das Pech war schließlich schon seit Jahren einer meiner besten Freunde, schon seit vielen Jahren hielt unsere Freundschaft ungebrochen an. Wir waren wie Pech und Schwefel, wobei das Pech der Schwefel war und ich eben den anderen Teil des Sprichwortes für mich beanspruchte. Beanspruchte? Hast schon recht … beanspruche! Es ist ja schließlich noch nicht vorbei! Leider.
Der Hauptcharakter dieser Geschichte ist weiblich, wer hätte das denn erwartet. Keiner? Im ernst? Wie gesagt ich bin ein Niemand, unwichtig und irrelevant, da kann ich doch nicht die Hauptperson sein! Sie war mir nie besonders aufgefallen, bisher hatte ich sie gerade zu zwei Terminen getroffen. Nun lag ich mit ihr im Zelt. Nein, es war einzig und allein Übernachtungsrelevant. Aber die Anziehung, die aus der perfekten Mischung von Gegensätzen und Gemeinsamkeiten bestand, versuchte mir die Einsamkeiten auszutreiben. Zum ersten mal spürte ich die Anziehung – fatal! Das ist der Anfang des vorläufig beschlossenen Endes dieser gerade erst begonnenen Geschichte.
Nichts, aber auch rein gar nichts hatte ich dafür oder dagegen getan, das wir am zweiten Morgen Arm in Arm da lagen. Aber es war gut das dieser Umstand eingetreten war. Ein Gefühl das ich mindestens seit einer unserer unterschiedlich gemeinsamen Gemeinsamkeiten nicht mehr gefühlt hatte erfüllte meinen Leeren, nicht mehr ganz so einsamen Körper. Nenn's Glück! Geborgenheit! Liebe? Wer hat schon das recht über persönliche Definitionen zu richten? Ja, auch den Höhepunkt dieser Geschichte habe ich nun abgehakt, hör am besten hier schon auf zu lesen, solch eine pessimistische und negativ erzählte Geschichte möchte doch kein normaler Konsument ertragen müssen! Na dann geh! Lass es, dann bist's halt eh nicht wert das zu lesen ...
Immer noch da? Wie? Du bist kein normaler Konsument? Na dann, bleibt mir wohl nichts anderes übrig, dann werde ich wohl all meinen Pessimismus anfordern müssen um diesen Schund weiter zu erzählen. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, aber im positiven Sinne des Wortes. Ja ich weiß auch wenn irgendetwas im positiven Sinne gemeint ist, dass es dann nicht pessimistisch ist, mein Gott … Das herum liegen wie man es plump ausdrücken könnte hatte aber auch sein Ende und das Gefühl verlor sich im Nichts. Ja das gute alte Nichts. Aber nein das Nichts war nicht dieses Gefühl. Ganz im Gegenteil, dieses Gefühl erfüllte einfach alles. Und es war auch nicht das letzte Mal das ich von diesem süßen Nektar kosten durfte. Noch am selben Abend lagen wir wieder für ein paar Jahre da, Arm in Arm. Ich weiß auch das es keine Jahre waren! Aber es hätten welche sein sollen! Auch heute sehne ich mich noch nach diesem Gefühl, es kann doch nicht einfach wieder verschwinden? Oh, ich weiß ja auch das es das kann, nerv' nich'! Wo war ich?
Nun ja, dieses Gefühl verschwand mit ihr auf der Tanzfläche und ich schlief ein. Damit wären dann alle rein positiven Aspekte des Festivals, des Wochenendes und wegen mir auch des ganzen restlichen Jahres aufgezählt. Ich nenn's einfach mal Eifersucht um die Definition der Begriffe nicht erklären zu müssen für euch unwissende Optimisten. Nun ja Eifersucht erfüllte dann so ziemlich alle der letzten Stunden dieses Wochenendes bis ich urplötzlich wieder an einem Bahnhof stand mit dem festen Vorhaben zu gehen ohne mich umzudrehen.Nein, nicht das umdrehen bereitete mir Schmerzen, sondern zu sehen was ich hinter mir lassen müsste. Aber Pech, mein treuer Gefährte, war sofort zur Stelle. Noch ein letztes mal sollte ich für einen Bruchteil einer Sekunde dieses Gefühl kosten. Bis es mir ab da für immer verwehrt bleiben sollte. Bin ich der Einzige der das für eine Foltermethode der aller bösesten Art hält?
„Das Leben ist eines der härtesten.“, von allen Leben ist meines das härteste? Zumindest aus meiner Sicht mag das sicherlich zutreffen. Andere würden mich auslachen, aber viele verkennen das es eine Vorgeschichte gab, welche nicht weiter erwähnt werden sollte. Was fest steht ist, dass diese Zugfahrt eine der härtesten war. Es war vorbei.
Zuhause, in der Höhle der Einsamkeit war es, auch wenn es mir sicher keiner glauben mag, einsam. Es war Still, genau wie im Zelt, aber in der Höhle war es unangenehm, nicht wie im Zelt. Nicht einmal Musik konnte Farbe in die Höhle, in mein Leben, oder meine Gedanken tragen. Ich bin wohl nur ein Nebencharakter in der Geschichte. In der Geschichte, die sich um mein Leben dreht.
Lach nicht! Alles grau, die Musik stumm und ich dumm? Das wichtigste in meinem Leben war es immer und ist es noch, das ich Herr über mich, meinen Körper und meinen Geist, bin. Doch seit diesem Exkurs durch die Welt der Farben versuchte sich ein Teil meines Hirnes selbstständig zu machen. Aber verfluchte scheiße nochmal, meinst du es hätte sich ein Büro gemietet und wäre ausgezogen? Niemals! Nenn's um Gottes willen Liebe, wenn es kein anderes unwichtiges, graues oder auf einem weißen Blatt Papier wegen mir auch schwarzes Wort dafür geben sollte. Ich bin der Ansicht, das es mit keinem Wort zu beschreiben wäre, da Wörter nur Farbe, oder sei man der Ansicht Schwarz wäre keine Farbe, wegen mir auch keine Farbe auf Papier oder Schallwellen in der Luft sind. Man braucht einen Satz, eine Überschrift! „Pessimist“, so mag wohl diese Geschichte wohl heißen, aber letztlich geht es um die Überwältigung. Das überwältigt sein von einem Gefühlszustand, der für ein sorgloses Leben nötig ist. Nein, der Hauptcharakter ist kein Mädchen. Diese Geschichte hat keinen Hauptcharakter, das Gefühl ist sowohl Farbkasten als auch Pinsel meines Lebens.
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