Lessing - Der Tot08.01.2011
Diese geschichte stammt von einer Frau die ich im Krankenhaus betreut habe, sie hat sie mir geschenkt um sie zu veröffentlichen.
Leipzig, 1.5.2008
Der Krebs, der mir noch ein halbes Jahr lässt.
Man stellt sich so oft die gleiche Frage: Warum ich?
Es gibt so viel Kummer und Schmerz auf dieser Welt dass es schon fast normal ist. Aber nicht wenn es einem auf einmal selbst passiert. Da ist diese Frau, die am Straßenrand einen Mann küsst, sie scheint so glücklich, doch man kennt ihr Leben nicht, ist es das Selbe das sie noch vor einer Minute geführt hat, vor einer Stunde oder vor einem Tag? Nein. Denn auch diese unscheinbare Frau hat wie jeder Andere ihre eigene, traurige Geschichte. Ihre Mutter ist schwer krank, die Frau, die sie seit Jahren durch ihr Leben geleitet hat. Sie hat immer für sie gesorgt, auch wenn dies nicht immer einfach war. Denn ja, auch die Frau, die so glücklich und sorglos scheint, hat eine Vergangenheit. Und jetzt ist ihr einziger Halt erkrankt. Auch sie war nicht immer glücklich mit ihrer Mutter, sie sich oft gestritten haben, liebt sie sie. Kennen wir das nicht alle? Man liebt und man verletzt die die man liebt. Aber man hält zu ihnen. So wie diese Frau. Ja man sieht sie in diesem Moment glücklich, doch es ist keine Stunde her das sie ihrer Mutter die Hand gehalten hat, dort im Krankenhaus, als der Arzt die schreckliche Nachricht überbrachte: Die Krankheit war unheilbar. Die Frau war so furchtbar traurig und verletzt das sie ihren Freund anrief. Sie hatten sich gestern noch gestritten, doch sie brauchte ihn jetzt. Sie trafen sich und er sagte ihr dass er sie auf diesem schweren Weg begleiten wird, sie stützen wird. Doch in dieser Geschichte geht es nicht um diese Frau. Es geht um mich.
Ich bin eine erfolgreiche Staatsanwältin, ich habe alles was man im Leben braucht. Doch genau wie diese Frau habe ich meine eigene traurige Geschichte. Ich habe Krebs. Er ist im Endstadion, also werde ich kaum noch ein halbes Jahr haben. Ja ich werde sterben. Ich bin 38 und ich fühle mich noch nicht bereit dazu meinen letzten Weg zu beschreiten, doch da man es nicht ändern kann, muss ich mich damit abfinden. Und je näher ich dem Tod komme, so größer wird die Angst. Doch ich habe keine Angst vor dem Sterben. Sondern davor dass niemand da ist der es bemerkt, das ich einfach still und klanglos verschwinde. Ich habe weder Kinder, noch einen Lebenspartner. Ich habe viel erreicht, doch nur beruflich. Meine Arbeit nimmt mir die Zeit für ein Privatleben. Und so stellt sich mir wie so oft die Frage: Warum ich? Ich wollte mein Leben erst beginnen. Auch wenn es sich komisch anhört habe ich mir immer mit allem Zeit gelassen. Zeit, die jetzt fehlt.
Ich wollte euch meine kleine Geschichte einmal erzählen, damit ihr wisst dass man sich nicht nur auf den Erfolg konzentrieren darf. Denn ich habe dies getan, und ich bereue es. So etwas kann jeden treffen, jederzeit. Also denkt darüber nach.
Was aus mir wird? Nun, da ich niemanden habe der etwas erben könnte, habe ich die Hälfte meines Vermögens an eine Krebs-Organisation gespendet. Den Rest nehme ich um mir meinen Traum zu erfüllen, ich werde mein letztes halbes Jahr durch Amerika reisen.
Noch ca. 180 Tage meine Lieben. Ich hoffe ihr werdet euch an den kleinen Teil den ihr von mir kennt erinnern.
Sandra das ist eine sehr bewegende Geschicht die mich gerade sehr rührt sie erinnert mich an eine freundin die auch krebs hat ich hoffe sie schaft es endlich ihn zu besiegen und das sie diesen Kampf gewinnt ja du hast recht man sollte nicht nur auf erfolg aus sein sondern auch ein privatleben mansche menschen stellen sehr spät fest das Arbeit nicht alles ist doch wir erkennen erst dan was wichtig ist wenn es zu spät ist ich kann dieser Frau nur Glückwünschen auf ihrer reise und das sie ein Moment des Glückes findet das sie auf ihr reise mit nehmen wird lg Sandra
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